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Celle Stadt Geknickt, aber nicht zerbrochen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geknickt, aber nicht zerbrochen
14:36 20.08.2010
Celle Stadt

Geknickte Strohhalme – als Kind habe ich sie gehasst. Beim Trinken aus einer Flasche habe ich mit dem Strohhalm gespielt. Wenn er dabei einen Knick bekam, war mein ganzer Spaß dahin. Hässlich sah er aus und saugen konnte ich damit auch nicht mehr. Lauter Luft kam durch den Knick mit. Heute kann das kaum noch jemandem passieren, weil die meisten Kunststoffhalme eine Knautschzone haben.

Richtig traurig kann mich stimmen, wenn ein Sommergewitter ein ganzes Getreidefeld flachlegt, das gestern stolz und gerade dastand. Was wird wohl aus der Ernte werden, wenn alle Halme umgeknickt sind?

„Ich bin richtig geknickt!“ brach es auch ihm heraus. Mein Freund hatte es so gut gemeint, als er seiner Gefährtin eine Urlaubsreise nach Mallorca vorschlug „Doch was für eine Abfuhr! Wie eine kalte Dusche, sage ich dir. Nicht nach Mallorca, nicht bei dieser Hitze und schon gar nicht so lange! – Urlaub? Mir ist jede Lust daran vergangen!“

Das, was mich knickt, kann aber auch viel tiefer gehen: eine bösartige Krankheit, eine bittere Trennung, der Verlust eines lieben Menschen. Das kann mich knicken. Der Mut zum Leben und das Vertrauen auf Dasein sind dahin, von Gott ganz zu schweigen.

Alles hatten sie verloren, als sie ins Exil gehen mussten. Damals, vor fast 2500 Jahren von Jerusalem nach Babylon. Geknickt waren sie. War das die verdiente Strafe Gottes für ihre Gleichgültigkeit? Was hatten sie falsch gemacht? Würde es jemals wieder gut werden?

Da tritt Jesaja in Gottes Namen auf: Geknickt seid ihr. Keine Frage! Geknickt seid ihr! Aber ihr werdet nicht zerbrochen! Denn Gott will das Leben, unbedingt will er es. Auch das Leben der Geknickten. Auch mein Leben, selbst wenn ich geknickt bin

Georg Gremels

Pastor im

Ev.-luth. Missionswerk

in Niedersachsen

Von Georg Gremels