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Celle Stadt Gelber Müll wird in Celle kaum recycelt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gelber Müll wird in Celle kaum recycelt
17:22 17.01.2014
Von Oliver Gatz
Weniger als ein Drittel der Kunststoffverpackungen in den gelben Säcken wird recycelt. Der Rest wird verbrannt. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Pflichtbewusst sammeln die Bürger leere Milchtüten oder Joghurtbecher in gelben Säcken oder wie in Celle alternativ in der gelben Tonne. Doch was passiert mit dem Müll? Berechnungen des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) zufolge wird weniger als ein Drittel der Kunststoffverpackungen recycelt. Der Rest landet in den Müllverbrennungsanlagen.

Außerdem nehmen die Verpackungsmengen stetig zu. Damit werden aus Sicht des VKU die ursprünglichen Ziele der Verpackungsverordnung, Müll zu reduzieren und mehr zu recyceln, verfehlt. „Die Konsumenten finanzieren durch den Kauf von Verpackungen ein teures System, das keinen ökologischen Gewinn bringt“, kritisiert VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp.

Die Verpackungsverordnung stammt von 1992 und ist bereits fünfmal durch kräftige Lobbyarbeit geändert worden. Jetzt ist angesichts des fast schon ruinösen Wettbewerbs unter den zehn privaten Anbietern des Dualen Systems eine sechste Novellierung des Gesetzes im Gespräch. Dabei geht es um die Streichung oder Einschränkung rechtlicher Schlupflöcher wie Eigenrücknahme und Branchenlösung, mit denen Missbrauch betrieben wird.

Eigenrücknahme bedeutet, dass Handelsketten Verpackungen in den Geschäften selbst auf eigene Kosten zurücknehmen dürfen. Dafür zahlen sie zunächst eine Abgabe an ein Duales System. Bei Nachweis der Rücknahme können sie das Geld aber zurückverlangen. Bei der Branchenlösung werden Verpackungen in großen Mengen in Kliniken, Bildungseinrichtungen oder Hotels gesammelt. Die Entsorgung auf diesem Weg ist für Hersteller und Vertreiber billiger als die haushaltsnahe Erfassung.

Das System ist kompliziert: Von dem in den Haushalten anfallenden Verpackungsmüll ist nur etwa die Hälfte lizensiert. Das heißt: Für diesen Teil zahlen Hersteller und Vertreiber von Verpackungen eine Gebühr an das Duale System, damit dieses die Verpackungen verwertet. Knackpunkt: Die für die Verpackungshersteller billige Eigenrücknahme funktioniert in der Praxis nicht. So werden die beispielsweise in Supermärkten stehenden Behälter für Papier oder Plastik kaum genutzt. Schätzungsweise wird nur etwa ein Prozent des Mülls in den Geschäften zurückgenommen. Der Rest landet zum größten Teil im gelben Sack.

Alle zehn Dualen Systeme bieten haushaltsnahe Rücknahme (gelber Sack, gelbe Tonne), Eigenrücknahme und Branchenlösung an. Dabei hat die Eigenrücknahme deutlich zugenommen. Nach Branchenprognosen werden im ersten Quartal 2014 die lizensierten und damit tatsächlich bezahlten Müllmengen zwischen 15 und 24 Prozent niedriger sein als im Vorjahresquartal. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2014 fehlten dem haushaltsnahen Rücknahmesystem weit mehr als 120 Millionen Euro an Einnahmen, heißt es. Folge: Die Unternehmen geraten finanziell immer stärker unter Druck. Es ist sogar von drohenden Insolvenzen die Rede.

Der Celler Abfallverband hat für die kommenden drei Jahre erneut den Zuschlag der Dualen Systeme für das Einsammeln des „gelben“ Mülls erhalten. Dieser landet auf der Entsorgungsanlage Höfer, wo sich jedes der zehn Unternehmen seinen errechneten Teil abholt.

Angesichts der Probleme schließt man sich in Celle der Forderung des VKU an, dass die kommunalen Entsorger den „gelben“ Müll vollständig und haushaltsnah selber erfassen. Branchenlösung und Eigenrücknahme sollen wegfallen. Die Privatwirtschaft wäre nur für Sortierung und Verwertung zuständig. Vorteil des Modells: Niemand kann sich mit Tricksereien der Zahlung von Gebühren für die Dualen Systeme entziehen.

„Die ganze Verpackungsverordnung gehört eingestampft“, fordert Henry Mäurer, Geschäftsführer des Celler Abfallverbandes. Der Aufwand stehe in keinem vernünftigen Verhältnis zum abfallwirtschaftlichen Nutzen. Mäurer hofft, dass bei einer Reform der Verpackungsverordnung am Ende ein Wertstoffgesetz mit der kommunalen Wertstofftonne herauskommt. Für das Sortieren und Verwerten des Mülls bekäme nur ein privater Anbieter den Auftrag. „Das ganze System wäre transparenter. Wir wären in der Lage zu beantworten, was mit dem Müll passiert und in welche Anlage er kommt, damit er nicht in irgendwelchen finsteren Kanälen versickert.“