Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Gelungene Verschmelzung von Jazz und Kirchenmusik in Celler Stadtkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gelungene Verschmelzung von Jazz und Kirchenmusik in Celler Stadtkirche
16:39 11.04.2016
Celle Stadt

Kirchenmusik für Menschen unserer Zeit bot der mehrfach ausgezeichnete „Quilisma“-Kinder- und Jugendchor Springe unter der Leitung von Keno Weber am Sonntag in der voll besetzten Stadtkirche. Begleitet wurde der Chor vom JazzArt-Niedersachsen-Ensemble mit Ulli Orth (Saxophon), Roland Neffe (Vibraphon), Johannes Keller (Kontrabass) und Lizzy Scharnofske (Schlagzeug).

Musikalisch zeitgemäß umgesetzte Gedanken zum Thema Konfirmation, vertonte Texte von Franz von Assisi („Sonnengesang“), „A Prayer For Your Earth“ aus dem „Laudate Si“ von Papst Franziskus sowie das „Kyrie“ aus der „Messe de Nostre-Dame“ von Guillaume de Machaut und als Neuvertonung des Psalms 150 ein „großes Halleluja“ aus der Feder von Ulli Orth („Er posaunt die Macht und Heiligkeit Gottes nur so heraus“) standen auf dem Programm. Dabei ging es jedoch nicht allein um musikalische Modernität, auch die Inhalte waren bestens dazu geeignet, Fragen und Zweifel der Menschen von heute aufzugreifen.

Dass dabei nicht jedermanns Geschmack getroffen wurde, sah man daran, dass einige die Kirche verließen und die anderen am Ende stehend applaudierten. Zu Recht. Denn was die Interpreten boten, war auf hohem Niveau. Die Choristen mit präziser Artikulation und mit klarer und ausgeglichener Stimmgebung. Die Instrumentalisten mit klangsprachlichen Überraschungen und dem richtigen Drive zwischen rhythmischer Finesse und untermalendem Swing. Da erlebten bekannte Kirchenlieder wie „Großer Gott, wir loben dich“ eine herzberührende Renaissance.

Die zwischen 11 und 22 Jahren jungen Choristen waren begeistert von dem Projekt. Jasna Bornemann (19) etwa zeigte sich angetan von der Stelle im „Sonnengesang“, in der das Meer beschrieben wird, weil der Zusammenklang der Stimmen dabei tatsächlich die Wellen hörbar gemacht habe. Und der 20-jährige Linus Goeritz fühlte sich vom Glaubensbekenntnis im „Konfirmation“-Chorsatz angesprochen, „weil es gejazzt so neu klingt“. Bei solch unverhohlener Authentizität und dem mal spannungsvollen Gegenüber, mal emotionalen Verschmelzen von Jazz und Chormusik fiel es den Akteuren nicht schwer, ihre Begeisterung auf die Zuhörer zu übertragen.

Von Rolf-Dieter Diehl