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Celle Stadt "Gemeinsam gordischen Knoten lösen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Gemeinsam gordischen Knoten lösen"
15:15 15.06.2012
Von Oliver Gatz
Der Fahrgastschifffahrt auf der Aller droht das Aus, wenn der Betrieb der Schleusen bis zur Weserm¸ndung nicht mehr gesichert ist. Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

Auch nach dem Vorliegen eines neuen Konzeptes des Bundesverkehrsministeriums ist unklar, welchen Status in Zukunft die Aller haben wird. Klar ist nur: Die Bundesmittel zur Unterhaltung der Schleusen und damit zur Sicherstellung einer durchgängigen Schifffahrt bis zur Wesermündung werden deutlich reduziert. Das bedeutet, dass andere einspringen müssten, um den Tourismus auf dem Fluss weiterhin sicherzustellen.

Das Ministerium teilt die Bundeswasserstraßen nun in vier Kategorien ein: von Flüssen und Kanälen, die zum Kernnetz gehören, bis hin zu Wasserstraßen, die dem Randnetz zuzuordnen sind. „Über die Tourismusgewässer liegt noch keine Entscheidung vor", sagt SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann, die Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages ist. Und dazu zählt die Aller, auf der seit Mitte der 60er Jahre keine Güterschiffe mehr verkehren.

Die Bundesregierung wolle sich in Zukunft mit Investitionen auf die wirtschaftlich relevanten Wasserstraßen konzentrieren, erläutert Lühmann. „Ich fände es eine Katastrophe, wenn Schleusen kaputtgingen und die Durchgängigkeit der Aller nicht mehr gewährleistet sein sollte", warnt die SPD-Politikerin. Dadurch verliere Celle an Attraktivität. Aus diesem Grund regt Lühmann an, gemeinsam mit Bund, dem Land und den Aller-Anliegerkommunen nach einer Lösung zu suchen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) hatte im März auf die touristische Bedeutung der Aller hingewiesen. „Der Wassertourismus ist im Kommen. Das ist ein Wirtschaftsfaktor", betonte er.

Der Bund könne die Aller nicht einfach dem Land übertragen, erläutert Lühmann. Dazu sei die Zustimmung des Landes nötig. Aber eine Unterhaltsverpflichtung für die Schleusen bestehe seitens des Bundes nicht. Das heißt: Wenn es dafür aus Berlin kaum mehr Geld gibt, müssen die Mittel woanders herkommen. Die vier Schleusen bis zur Wesermündung sind mehr als 100 Jahre alt. Eine komplette Erneuerung würde nach Schätzungen des Bundes rund 50 Millionen Euro kosten. Doch da auf der Aller keine Güterschiffe verkehren, wird über eine andere Lösung nachgedacht: den Einbau kleinerer Schleusen in die alten Bauwerke. Sie würden für die jetzige Schifffahrt auf der Aller völlig ausreichen. Dadurch ließen sich etwa 30 Millionen Euro einsparen. Fraglich ist allerdings, ob diese Investition einer Wirtschaftlichkeitsprüfung standhält.

Die neuen Pläne aus Berlin sehen auch eine Zentralisierung der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung an drei Standorten vor. „Wir werden möglicherweise zukünftig mit einem Bauamt in Bonn reden müssen, wenn es um den Aus- oder Neubau von Schleusen geht", bedauert Lühmann.