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Celle Stadt Gemeinsames Lernen startet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gemeinsames Lernen startet
16:22 14.03.2012
Celle Stadt

Die Grundschulen in Unterlüß, Hermannsburg, Winsen, Wietze, Oldau und Hambühren bereiten den Inklusionsunterricht vor. Im Herbst geht es los.

Die Schulen bereiten sich vor, mit Partnern werden Konzepte erarbeitet. Hambühren und Oldau arbeiten mit der Astrid-Lindgren-Schule zusammen, Hermannsburg mit der Peter-Haertling-Schule.

Inklusion? Das neue Modewort der Pädagogik wirkt noch etwas sperrig in unserem Sprachgebrauch. Es wurde gebildet aus dem lateinischen inclusio, zu Deutsch: Einschluss. In der modernen Sprache Wikipedias wird es mit Dazugehörigkeit, Einbeziehung übersetzt. Inklusion will mehr sein, als Integration einer an sich fremden Gruppe. Inklusion will Vielfalt zur Normalität machen. Und das fängt in der Grundschule an.

Technisch heißt der gemeinsame Unterricht „sonderpädagogische Grundversorgung“, klärt Bodo Theel von der Landesschulbehörde auf. „Pro Klasse mit Förderschulbedarf gibt es zwei Lehrerstunden.“ Heißt: Dann sind zwei Lehrer in einer Klasse. Konkret kann sich Theel zum Beispiel Arbeit in kleinen Gruppen vorstellen.

Inklusion ist bislang vor allem eines: langsam. Und immer wieder sind es die Eltern, die kämpfen. Seit den 1970ern haben Behinderte ein Recht auf Beschulung. „Eltern erstritten die G-Klassen in Celle“, also die Klassen für geistig behinderte Kinder, sagt Wolfgang Grube, Bürgermeisterder Samtgemeinde Wathlingen. Das war um 1992. Bislang können die Grundschulen beantragen, Integrationsklassen einzurichten. Die Kinder bekommen Schulbegleiter. In Wathlingen zum Beispiel wird es in diesem Jahr eine neue geben.

Im Dezember 2006 verabschiedeten die Vereinten Nationen ihr Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Niedersachsen, bundesweites Schlusslicht bei der Integration, zieht 2013/14 nach – wenn der Landtag das Gesetz in diesem Monat verabschiedet.

Zumindest möglich wird es sein: „Letzten Endes entscheiden die Eltern“, sagt Hambührens erster Gemeinderat Dirk Seidler. Eine Einschränkung bleibt: Wenn der Schulträger notwendige Veränderungen an der Schule nicht leisten kann, die Inklusion also nicht zum Wohl des Kindes wäre. „Die Schule muss sich für das Kind passend machen und die nötige Unterstützung gewährleisten und nicht das Kind wegschicken, wenn es nicht passt“, kritisiert Ina Korter, schulpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion.

Hierin jedoch liegt die Schwierigkeit. Denn „passend machen“ ist ein dehnbarer Begriff. Theel: „Wir müssen gucken, ob wir das an jeder Schule machen können.“ Seidler erläutert, dass die Ausstattung der Grundschulen weiterhin von dem Kommunen getragen wird. Lesevorrichtungen, Rampen, Schalldämmungen. So vielfältig wie es die Einschränkungen der Kinder sind, sind auch die Lösungen, die Schule und Schulträger finden müssen – das wird teuer. „In den Schulen müssen Rückzugsräume geschaffen werden“, sagt Schulamtsleiter Reinhard Toboll, gegebenenfalls seien Wickelräume und Fahrstühle nötig.

Flächendeckend ist das in der Samtgemeinde nicht möglich“, erwartet Grube. Der Escheder Schulausschuss plädierte kürzlich für Schwerpunktschulen. Auf alles vorbereitet sein ist so gut wie unmöglich. Seidler: „Keiner weiß, wie viele Förderkinder angemeldet werden.“

Der Landkreis ist bei den weiterführenden Schulen noch zurückhaltend. Toboll stellt jedoch fest: „In der Praxis mag es Probleme geben, wenn wir einem Kind nicht gerecht werden können. Wir werden ohne spezielle Schulen auch in Zukunft nicht auskommen.“ Er pocht auf die Eigenverantwortung der Eltern.

Von Isabell Prophet