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Celle Stadt Geothermie: Obskure Förderpraxis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geothermie: Obskure Förderpraxis
17:19 16.03.2012
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Im Neuen Rathaus sieht man die „Förderrichtlinie über die Gewährung von Zuschüssen zum Einbau von oberflächennahen geothermischen Anlagen“ als weiteren Baustein, um sich bundesweit als Geothermie-Zentrum zu profilieren. Die neuen Regelungen sollen, so der Celler Rat sie beschließt, zum 1. April in Kraft treten. Gefördert werden generell Personen, die nach dem 31. März, ein Wohngrundstück von der Stadt erwerben. Mit dem Neubaugebiet Kieferngrund wird der Anfang gemacht.

Die künftigen Bewohner dürften sich dabei über die Förderpraxis wundern. Denn aus einer Vorlage der Stadt geht hervor, dass aus dem Kaufpreis von 106 Euro pro Quadratmeter 3 Euro für den Geothermie-Topf zur Verfügung gestellt werden. Im Klartext heißt das: Wer am Kieferngrund baut, füllt die städtische Zuschusskasse erst einmal auf. Insgesamt werden dabei etwa 163.000 Euro zusammenkommen.

Von diesem Betrag werden Bauherrn, die eine Erdwärme-Kollektoranlage installieren wollen, mit 2000 Euro unterstützt, für eine Erdwärme-Sondenanlage gibt es 3000 Euro. Weitere Fördermittel wie etwa aus dem Klimafonds der Stadt Celle oder von der KfW Bank sind möglich.

Das Problem: Selbst wer sich für eine geothermische Energieversorgung entscheidet, zahlt absurderweise eben durch die Förderung eventuell drauf. Beispiel: Eine Familie kauft sich ein Grundstück in der Größe von 800 Quadratmetern. Dann zahlt sie praktisch 2400 Euro in den Geothermie-Topf ein. Entscheiden sich die Bauherrn nun für eine Kollektoranlage, bekommen sie einen Zuschuss von 2000 Euro. Bliebe unterm Strich ein Minus von 400 Euro. Oder anders formuliert: Wer ohnehin vorhatte, auf Geothermie zu setzen, wäre in diesem Fall ohne diese städtische Förderpraxis günstiger davon gekommen.

Im Neuen Rathaus weist man darauf hin, dass es ebenso gut möglich sei, mit dem Fördergeld besser dazustehen. Erste Stadträtin Susanne Schmitt argumentiert allerdings noch in eine ganz andere Richtung. „Der Kaufpreis ist inklusive Erschließungskosten auf 106 Euro berechnet worden. Es ist nicht so, dass er nur 103 Euro betragen würde und wir drei Euro für den Geothermie-Topf draufschlagen“, so Schmitt, die eine Festschreibung der geothermischen Energieversorgung im Bebauungsplan favorisiert hatte. Nun wolle man mit der Förderung Anreize schaffen, sich für Geothermie zu entscheiden.

Streng genommen wird übrigens gar kein Geothermie-Topf ins Leben gerufen. Die Erlöse aus dem Grundstücksverkauf wandern in den allgemeinen Haushalt. Also ebenso die Geothermie-Fördergelder, die nicht abgerufen werden.