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Celle Stadt Geothermie: Stadt will Vorzeigeprojekt anschieben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geothermie: Stadt will Vorzeigeprojekt anschieben
16:42 16.11.2010
Von Gunther Meinrenken
Umstellung des Rechenzentrums der Stadt Celle auf geothermische Kühlun Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Zweimal stand die Rechneranlage im Neuen Rathaus wegen der hohen sommerlichen Temperaturen im vergangenen und in diesem Jahr kurz vor dem Kollaps. Ab 2011 soll dieses Szenario ausgeschlossen werden. Denn wenn im kommenden Jahr die nächsten Hitzewellen anrollen sollten, will man im Neuen Rathaus gewappnet sein. Dann soll das Rechenzentrum geothermisch gekühlt werden.

Im April hatte die Stadt das Vorhaben erstmals vorgestellt. Jetzt werden die Pläne konkreter. Mit dem Celler Brunnenbau und der Firma Deltaplus Datensysteme aus Hambühren sind zwei Unternehmen im Boot, die über reichlich Erfahrung in geo­thermischer Kühltechnik verfügen.

Im Neuen Rathaus soll dabei ein innovatives Konzept verwirklicht werden, bei dem nicht der gesamte Rechnerraum, sondern nur die eingehausten Server geothermisch gekühlt werden. „Die Effektivität der Energienutzung verbessert sich dabei erheblich“, legte Jörg Krueger, Geschäftsführer der Deltaplus Datensysteme, bei einer Pressekonferenz gestern dar. Würden üblicherweise Rechneranlagen für die Kühlung noch einmal so viel Energie verbrauchen, wie sie für den Betrieb verschlingen, so ließe sich mit der eingehausten geothermischen Lösung der Energieverbrauch für die Kühlung um bald 80 bis 95 Prozent reduzieren. Strom würde lediglich noch für die kleine Zirkulationspumpen benötigt.

Für das Neue Rathaus bedeutet dies: Die Kühl-Energiekosten von 25000 Euro sollen auf ehrgeizige 1500 bis 2000 Euro gesenkt werden. Bei einer Investitionssumme von insgesamt 140000 Euro hätte sich das Projekt bereits nach sieben Jahren gerechnet.

Dirk Wietfeldt, Geschäftsführer von Celler Brunnenbau, hob weitere Vorteile der neuen Technik hervor. „Es gibt keine Wartungskosten, die Kühlung erfolgt geräuschlos. Die Bohrungen sind absolut sicher, wir kennen die Geologie von Celle genau.“ Etwa vier bis sechs Bohrungen würden um das Neue Rathaus in eine Tiefe von bis zu 120 Meter gebracht, bis zu einer Schicht, in der das Grundwasser Temperaturen von etwa 11 Grad hat. In einem geschlossenen System – es wird kein Grundwasser entnommen – wird dann vereinfacht gesagt das Kühlwasser durch diese Schicht geleitet und für die Kühlung des Servers genutzt.

Vor dem Hintergrund, dass Celle sich zum deutschlandweiten Kompetenzzentrum für Geo­thermie entwickeln will, sprach Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) von einem „Vorzeigeprojekt“. Als nächster Schritt würde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. 1. Stadträtin und Vorsitzende des Vereins GeoEnergy, Susanne Schmitt, freute sich in diesem Zusammenhang, „dass die Stadt nicht nur redet, sondern handelt“.

Sollte das Vorhaben im Rahmen der kommenden Haushaltsberatungen von der Politik verabschiedet werden, so könnte die geothermische Kühlung bereits im Sommer 2011 laufen.