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Celle Stadt Geprügelt und entkräftet: Celler Synagoge zeigt Fotografien
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Geprügelt und entkräftet: Celler Synagoge zeigt Fotografien
13:22 22.05.2015
Ausstellungseröffnung "Die IG Farben und das KZ Buna/Monowitz" Sabine Maehnert und Florian Schmaltz Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Anlässlich der Ausstellungseröffnung „Die IG Farben und das KZ Buna/Monowitz“ hatte der promovierte Wissenschaftler über die Kooperation zwischen dem Unternehmen und der SS vorgetragen: „Für die IG Farben war die Ausbeutung der KZ-Häftlinge ein lukratives Geschäft.“

Die als Kontrolleure fungierenden Angestellten meldeten jeden Häftling, der ihrer Meinung nach nicht genug leistete, sich zu lange auf der Toilette aufhielt oder sich am Ofen wärmte. Als einige Häftlinge versuchten, die Aufsichtspersonen über die permanente Unterernährung als einen „Grund für das Nachlassen ihrer Arbeitsleistung sowie ihre Körperschwäche und das daraus resultierende Zusammenbrechen am Arbeitsplatz“ aufzuklären, seien sie „von der SS schwerstens betraft“ worden. Die Zivilisten „sehen uns auf das niedrigste versklavt, ohne Haar, ohne Ehre, ohne Namen und täglich geschlagen; sie kennen uns verdreckt, zerlumpt und ausgehungert und meinen – die Wirkung mit der Ursache verwechselnd – dass wir dieses Verworfensein verdient haben“, berichtete später der dort inhaftierte Chemiker Primo Levi.

Ohne jede Überlebenschance seien die Schwerstarbeit leistenden Häftlinge beim „Todeskommando“ Straßenbau gewesen: Sie mussten zum Beispiel Zementsäcke auf den Schultern im Laufschritt vom Güterwaggon zum Lagerplatz schleppen und sofort wieder – ebenfalls im Laufschritt, sonst drohten Prügel – zurück, um den nächsten Zementsack zu holen. Die durchschnittliche Überlebensdauer habe bei den Betroffenen nur noch drei bis vier Monate betragen, schilderte Schmaltz.

Die Wanderausstellung besteht aus Fotografien, die von der SS angefertigt wurden, kontrastiert durch Texte von Überlebenden. Sie ist bis zum 2. August in der Synagoge zu sehen.

Von Rolf-Dieter Diehl