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Celle Stadt Gerichtsvollzieher kommt seltener
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gerichtsvollzieher kommt seltener
16:40 02.04.2013
Von Oliver Gatz
Die Zahl der Zwangsvollstreckungen im Bezirk des Oberlandesgerichts (OLG) Celle hat einen noch nie dagewesenen Höchststand erreicht. Quelle: Kai Remmers
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Die Celler haben im vergangenen Jahr seltener Besuch vom Gerichtsvollzieher bekommen. Nach Angaben des Amtsgerichts ging die Zahl der Zwangsvollstreckungen, die allerdings vornehmlich von Rechtspflegern geleistet werden, in Stadt und Kreis von 3687 auf 3499 zurück. Erfreulich auch die Tendenz bei den Privatinsolvenzen: Nach 515 Fällen in 2011 waren es nur noch 479 im vergangenen Jahr.

Hingegen ist die Zahl der Firmeninsolvenzen im Vergleichszeitraum von 206 auf 212 leicht gestiegen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es schon 77 Fälle. Hochgerechnet aufs Jahr könnte es hier einen sprunghaften Anstieg geben.

Ein Blick in die Statistik des Oberlandesgerichts (OLG) Celle zeigt hingegen eine ganz andere Tendenz: Im OLG-Bezirk mit seinen 4,1 Millionen Einwohnern, sechs Land- und 41 Amtsgerichten ist die Zahl der Zwangsvollstreckungen im vergangenen Jahr erneut gestiegen und hat mit 154.686 Verfahren einen noch nie dagewesenen Höchststand erreicht. Das OLG begründet diesen Trend mit den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. In großen Teilen Niedersachsens fällt es den Bürgern offenbar immer schwerer, ihre Schulden zu begleichen.

Zu den Zwangsvollstreckungen gehören die Pfändung von Gehalt, Unterhalt, Konten und des sogenannten beweglichen Vermögens wie Fernseher oder Stereoanlage. Zwangsversteigerungen von Häusern und Grundstücken fallen nicht darunter.

Eine Zwangsvollstreckung sage noch nichts darüber aus, wieviel Geld auf dem Konto sei, erläutert OLG-Sprecherin Stephanie Springer. Mitunter kämen die Bürger Zahlungsverpflichtungen nicht nach, weil sie übergangsweise nicht liquide seien, aber durchaus noch Werte hätten. „Die hohe Zahl der Zwangsvollstreckungen ist aber ein Indikator dafür, dass die Menschen größere Mühe haben, ihre Schulden zu begleichen", sagt Springer.

Die Zahl der Insolvenzen im OLG-Bezirk ist hingegen weiter gesunken. Insgesamt lagen im vergangenen Jahr 4207 Anträge auf Eröffnung einer Firmeninsolvenz vor. Im Vorjahr waren es 4498. Dies entspricht einem Rückgang von 6,5 Prozent. Im Bereich der Verbraucherinsolvenzen wurden 7871 Anträge eingereicht. 2011 waren es noch rund 8000.

Wie sich die Zahl der Insolvenzen weiter entwickeln werde, sei offen, sagt Springer. Es gebe keinen Grund für Entwarnung. Möglicherweise machten sich die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise mit Verzögerung auch hier bemerkbar.