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Celle Stadt Gerüchte über blutige Attacken auf Celler Hengste
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gerüchte über blutige Attacken auf Celler Hengste
13:29 07.11.2018
Von Michael Ende
Celle Stadt

Auch Hengste des Celler Landgestüts sollen jetzt zwischen Cuxhaven und Stade zur potenziellen Jagdbeute Isegrims geworden sein, so ein Gerücht. Das stimme nicht, heißt es aus dem Gestüt. Dort stünden gar keine Celler Pferde. Gleichwohl beobachtet man Berichte von Wolfs-Attacken auf Hannoveraner mit wachsender Sorge. Denn es könnte bereits Vorfälle mit Celler Hengsten gegeben haben, bei denen der Wolf auf der Jagd war.

Blutbad: Das Szenario, das derzeit via Internet in sozialen Medien verbreitet wird und dort für Furore sorgt, klingt nach einem regelrechten Gemetzel, wie man es bisher nur von Wolfs-Attacken auf Schafherden kennt. "Auf den weitläufigen Weiden des Niedersächsischen Landgestüts Celle zwischen Cuxhaven und Stade hat ein Wolfsrudel 43 Jungpferde komplett aufgerieben", heißt es auf Facebook. Sieben Pferde seien tot, drei seien "verschwunden" und "weit mehr als 20 Pferde" seien teils schwer verletzt worden.

"Die Pferde wurden gehetzt und an die Drahtzäune gedrückt – Panik, die ein Pferd nie mehr verwinden kann. Diese Pferde werden niemals wieder ein Kind auf ihrem Rücken zulassen", sagt Rainer Hardenberg (Name geändert), der einen staatlichen Maulkorb-Erlass vermutet: "Es wurde von der Landesregierung Niedersachsen den Geschädigten sowie den Bauern untersagt, dies an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Das ist hoffentlich nunmehr der bekanntliche Stein, der ins Rollen gebracht werden muss."

Stampede: Dieser Zwischenfall sei nicht der einzige gewesen, heißt es. "Es gab aber noch einen Vorfall, der aber von einem Jäger verhindert wurde, als dieser die Polizei gerufen hat, die dann die Wölfe vertrieben hat." Dieser Fall ist belegt: Zwei als „Wölfe“ beschriebene Raubtiere wurden laut Böhme-Zeitung am Abend des 8. Mai in Selsingen, Kreis Rotenburg, von einem Jäger dabei beobachtet, wie sie auf einer Weide eine Herde zwei- und dreijähriger Hannoveraner-Pferde jagten, bis diese in Panik den Weidezaun durchbrach und davon stob. Die Besitzer der Pferde haben ihre Herde erst 24 Stunden nach der Stampede wieder beisammen gehabt. Einige Tiere seien verletzt gewesen. „Das waren nicht nur Schrammen, da gab´s auch richtige Löcher im Fleisch“, so Tierhalterin Silke Brunkhorst, die selbst Tierärztin ist. Die Verletzungen seien allerdings nicht von den Wölfen direkt, sondern auf der Flucht vor den Räubern entstanden.

Mit Hengsten des Celler Landgestüts hat das nichts zu tun. Wohl aber ein Vorfall, der sich bereits in der Nacht zum 31. Juli 2016 zugetragen hat. Damals gerieten 50 Nachwuchshengste des Landgestüts auf einer Sommerweide in Neuhaus im Solling in Panik, brachen aus und gerieten in den Straßenverkehr. Zahlreiche Tiere wurden verletzt, zwei blieben verschwunden, eines musste getötet werden. Zeitnah machte ein Förster im nahen Hunnesrück eine Wolfssichtung.

Hatten Wölfe die Junghengste aufgemischt? Die Vermutung lag nahe. Kommuniziert wurde sie nicht. Unter der Hand hieß es, damalige Landwirtschaftsminister und als "Wolfsfreund" bekannte Christian Meyer (Grüne), dem das Landgestüt unterstand, habe "Maulkörbe" verteilt – sowohl für das Gestüt als auch für den Förster. Offen gesprochen wurde darüber nicht. Zeugen haben der CZ allerdings bestätigt, dass das Landwirtschaftsministerium seinerzeit mit Telefonaten dafür sorgen wollte, dass über die Angelegenheit Stillschweigen gewahrt wurde.

Dementi: Zur angeblichen aktuellen Wolfsattacke bei Cuxhaven findet der Celler Landstallmeister Axel Brockmann deutliche Worte: "Da versucht jemand, aus uns unerklärlichen Gründen seinen Mitbürgern statt des sprichwörtlichen Bären einen Wolf aufzubinden." Kenner des Landgestüts wüssten, dass das Landgestüt Celle gar keine Weiden bei Cuxhaven habe: "Sämtliche Jungtiere werden auf den Flächen des niedersächsischen Hengstaufzuchtgestüts Hunnesrück gehalten und genießen dort eine unbeschwerte Jugend." Zudem sei in dem angegebenen Bereich auch keine Pferdeherde ausgebrochen: "Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass jemand das Landgestüt und seine Hengste nutzt, um Stimmung gegen den Wolf zu machen."

Der Stein rollt: Die Nachricht wird seitdem wieder und wieder kopiert, versendet und kommentiert. Wolfsfreunde und Wolfsgegner gehen im Internet aufeinander los. Der Stein, von dem Hardenberg gesprochen hat – dieser Stein rollt weiter. "Es kann ja wohl nicht sein, dass solche Vorfälle unter den Teppich gekehrt werden", sagt Hardenberg. Stimmt. Die Geschichte vom Cuxhavener Blutbad wird noch weiter kursieren – selbst wenn sich dafür keine Beweise finden lassen.