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Celle Stadt Gespräch vor Ort mit Jürgen Wippich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gespräch vor Ort mit Jürgen Wippich
22:33 05.11.2010
Jürgen Wippich blickt auf zehn erfolgreiche Jahre zurück mit seinem Projekt "Kultur querbeet zurück" Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Was ist unter „KULTURquerbeetCELLE“ zu verstehen?

Wir wollen Kultur veranstalten, und dies querbeet durch die gesamte Kulturlandschaft. Musikalisch Jazz, Blues, Rock, Gospel, Folk, weltliche Musik und alles, was Töne hat. Im Theater von Kabarett, Comedy, Kleinkunst, Lyrik und Lesungen bis hin zu allem anderen, was Worte hat. Dazu Events wie Riverboat-Shuffle, Spargelessen, Weinproben, Kinoabende, Streetparade, Jazz- und Bluesfestivals, sowie alles andere, was originell ist.

Querbeet durch alle erdenklichen Unterhaltungsformen also?

So ist es. Aber wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zu Schloss-Theater, Congress-Union und CD-Kaserne. Wir wollen Nischen füllen, Künstler mit Perspektive nach Celle holen, die normalerweise hier nicht auftreten würden. Künstler, von deren Qualität und Ausstrahlung ich mich allerdings vorher überzeugt habe.

Wie haben wir das zu verstehen? Reisen Sie etwa potentiellen Bewerbern hinterher?

Sagen wir es so: Ich sehe mir ihr Programm immer zeitnah an. Dazu fahren ich auch gerne einmal bis Freiburg oder weiter. „Live ist Life“, das ist mein Motto!

Querbeet durch die Lande?

Das ist quasi die andere Programm-Idee, auch querbeet durch die Lande aufzutreten. Von der Wietfeldt-Scheune in Bennebostel bis zur Congress Union, von der Stadtkirche bis zum Stadtpalais, vom Rittersaal bis zur Exerzierhalle, von Hermannsburg und Wietze bis Eschede, vom Automuseum Maussner bis zur Volksbank Celle finden Sie uns. Denn wir sind in unserer Ausrichtung vollkommen frei, unpolitisch, unabhängig und keinem Verein oder Verband verpflichtet.

Nun wird niemand zum Nulltarif nach Celle kommen. Wie finanzieren sie Ihre Veranstaltungen?

Eigenständig und ohne öffentliche Zuschüsse. Wir „subventionieren“ unsere Veranstaltungen durch Sponsoring und Werbeanzeigen örtlicher Firmen. Und erreichen dadurch einen moderaten Eintrittspreis. Denn wir wollen querbeet für alle Bevölkerungsschichten erreichbar sein. Abonnenten sind unser zweites Standbein. Als „KULTURquerbeetCELLE“ 2001 ins Leben gerufen wurde, hatten wir 20 Abos. Heute sind es 80 Besucher, die wir fest einplanen dürfen. Das gibt uns natürlich Planungssicherheit. Im Schnitt benötigen wir 200 Besucher, um kostendeckend zu bleiben. Diese Zahlen erreichen wir zumeist auch, was uns Mut zum Weitermachen gibt.

Ein Gewinn bleibt demnach nicht übrig für die „WIP-event production Jürgen Wippich“?

Ein pekuniärer Gewinn ist sehr schwer auszumachen. Sicher ist, dass ich einen enormen ideellen Gewinn aus der umfangreichen Arbeit ziehe. Für mich ist das Leidenschaft pur und eine Arbeit, die ich ohne mein fünfköpfiges Team gar nicht leisten könnte.

Wie viele Veranstaltungen richten Sie jährlich aus?

Seit 2001 sind es schon 82 erfolgreiche Veranstaltungen an 18 verschiedenen Plätzen, darunter mit Künstlern wie Albert Mangelsdorff, der für mich übrigens Initiator und Vaterfigur war, die NDR-Bigband, Heinz Rudolf Kunze, Barbara Dennerlein, Peter Shub, das „Wall Street Theatre“ und viele andere mehr. Sechs Veranstaltungen bieten wir jährlich im Abonnement an.

Was war der Auslöser zur Gründung von „KULTURquerbeetCELLE“?

Da muss ich etwas in die Historie gehen. Bereits 1983 wurde auf mein Wirken hin die „JAZZ Initiative CELLE“ gegründet. Etwa 250 Konzerte wurden ausgerichtet. Von 1985 bis 1999 gab es die „Jazz-Night“ in der Congress Union Celle, 15 Festivals auf denen insgesamt etwa 200 Bands beziehungsweise Solisten auftraten. Dazu mit der 700-Jahr-Feier Celles 1992 erstmals die Streetparade, ein Brass- und Marchingband-Festival mit jeweils 150 Musikern aus aller Welt. 1994 gab es, wie in eingetragenen Vereinen leider häufiger feststellbar, Querelen und die Spaltung der JAZZ INitiative CELLE. Es bildete sich 1995 die „Neue Jazz-Initiative JAZZ& MORE“ als GmbH, die natürlich gewinnorientiert arbeiten sollte. Da sich das nicht so einfach umsetzen ließ, stand ich vor der Frage: Ganz aufhören oder Eigenes ins Leben rufen. Ich erinnerte mich der Worte von Mangelsdorff: „Du bist für das Organisieren geboren“. Ich hatte den Wunsch, nur noch Kultur zu veranstalten, die mir Spaß macht und die sonst niemand nach Celle holt, „KULTURquerbeetCELLE“ eben!

Mit einer Doppelveranstaltung in der Volksbank Celle am 19. („Herr Schultze & Herr Schröder“) und 20. November („Les Haricots Rouge“) feiern Sie ein Jubiläums-Wochenende, am 10. Dezember auf Hof Wietfeldt („Lulu White“) die Jahresschluss-Veranstaltung. Wird es noch ein zweites Jahrzehnt „KULTURquer-beetCELLE“ mit Ihnen geben. Schließlich sind Sie 67 Jahre alt, im Rentenalter also?

So lange es mir und meinen Helfern Spaß macht, uns die Abonnenten und Sponsoren treu bleiben und wir die Arbeit leisten können, geht es weiter. Die Ideen gehen mir jedenfalls nicht aus. Wieder einmal eine Streetparade auf die Beine zu stellen, das wäre eine schöne Abrundung eines jahrzehntelangen Mühens.

Von Gert Neumann