Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Gesundheitsförderung: Chancen auch für kleine Betriebe in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gesundheitsförderung: Chancen auch für kleine Betriebe in Celle
16:54 11.07.2014
Von Oliver Gatz
Klaus Puschaddel, Personalleiter des Marzipanherstellers Niederegger.
Celle Stadt

CZ: Warum ist die betriebliche Gesundheitsförderung heutzutage so wichtig?

Puschaddel: Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, engagieren sich stärker. Arbeitgeber, die Maßnahmen zur Steigerung des Wohlfühlens umsetzen, profitieren davon durch eine stärkere Bindung an das Unternehmen. Sie sind attraktiver im Wettbewerb um neue Mitarbeiter im schwieriger werdenden Arbeitsmarkt.

CZ: Sie haben gemeinsam mit der Stadt Lübeck und einer Krankenkasse einen entsprechenden Leitfaden herausgegeben: Was sind die wesentlichen Empfehlungen? Nennen Sie uns ein paar Beispiele.

Puschaddel: Der Handlungsleitfaden soll gerade für kleine und mittlere Unternehmen die Hemmschwelle zur Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagements senken. So ist es zum Beispiel wichtig, Motive und Ziele für die Einführung zu ermitteln. Dann kommt es auf die geschickte Vernetzung mit geeigneten Partnern an, wie zum Beispiel Krankenkassen, Rentenversicherung oder Kammern. Und nicht zuletzt geht es darum, die Bedürfnisse der Belegschaft zu erfragen, um danach ein Programm aufzustellen, das zur Übernahme von Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern führt.

CZ: Warum ist die Zurückhaltung bei kleinen und mittleren Unternehmen so groß? Wieso ist dort betriebliche Gesundheitsförderung meist kein Thema?

Puschaddel: Diese Unternehmen blicken häufig auf die großen Konzerne und meinen, das was diese dort anbieten, können sie nicht leisten und machen lieber gar nichts. Oft bewirken aber kleine Veränderungen im Unternehmen mehr als große Umorganisationen, die zu Unruhe und Unsicherheit bei den Arbeitnehmern in den Betrieben führen.

CZ: Was kann man dagegen tun?

Puschaddel: Aufklären. Und Netzwerke organisieren, wie zum Beispiel das Celler Netzwerk Gesunde Arbeit zeigt. Wenn Leistungserbringer und Betriebe sich stärker mit ihren Anregungen und Erfahrungen austauschen, ist es für alle leichter, die für den eigenen Betrieb sinnvollen Ideen aufzugreifen und umzusetzen.

CZ: Sie haben in Ihrem Unternehmen das Thema gesunde Arbeit intensiv vorangetrieben. Welchen Effekt hat das gehabt?

Puschaddel: Viele unserer Mitarbeiter haben entdeckt, dass es Spaß machen kann, gemeinsam etwas für das eigene Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu unternehmen. So haben wir unter anderem erreicht, dass während der Arbeitszeit auf dem gesamten Firmengelände nicht mehr geraucht wird. Die Beschäftigten haben auch entdeckt, dass es im betrieblichen Gesundheitsmanagement ganz einfache, kleine Schritte sind, die zum Ziel führen. Wir haben auch betriebswirtschaftliche Effekte: Die Gesundheitsquote ist gestiegen, die Fachhochschule Lübeck hat in einer Umfrage die Steigerung des Wohlfühlens um 40 Prozent ermittelt, und unsere Attraktivität als Arbeitgeber konnte gesteigert werden.

CZ: Sie sind Business- und Kommunikationscoach. Welchen Stellenwert hat das persönliche Gespräch für ein gesundes Arbeitsklima?

Puschaddel: Das persönliche Gespräch am Arbeitsplatz ist durch nichts zu ersetzen. Die Universität St. Gallen hat ermittelt, dass für die Motivation der Mitarbeiter an erster Stelle nicht die Bezahlung, sondern die wertschätzende Mitarbeiterführung steht. Das A und O eines guten Arbeitsklimas ist eine gelebte interne Kommunikation. Dieser hohe Stellenwert des Gespräches begegnet mir in meiner Arbeit als Kommunikationscoach in allen Projekten und Unternehmen, die ich berate und begleite.