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Celle Stadt Gewalt traumatisiert ganze Familie
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gewalt traumatisiert ganze Familie
16:04 07.12.2018
Quelle: cz
Celle

Die zweite Gutenacht-Geschichte ist durch, Sandra Brehmer (Namen geändert) küsst ihre Tochter Eva auf die Stirn und zieht die Decke auf der provisorischen Schlafstatt um sie fest. Sohn Max hat sich bereits in seine selbstkreierte „Batman-Höhle“ unter dem Esstisch verzogen. Das Nachtlicht bleibt an. Kaum hat sich die 37-Jährige in die Küche verzogen, hört sie ihre Fünfjährige nochmal zur Haustür tapsen, wo sie überprüft, ob sie wirklich verschlossen und die neue Kette eingehakt ist.

"Ich war eine naive, dumme Gans"

Die kleine Familie lebt in einer baufälligen dreieinhalb Zimmerwohnung in Celle. Brehmer arbeitet derzeit nur unregelmäßig in Aushilfsjobs und bekommt – in eingeschränkter Form – finanzielle Unterstützung vom Sozialamt. Die Geschichte der dreifachen Mutter klingt wie die Schilderung eines schlechten Romans. Das Leben als einzige Tochter in einer Familie mit einem gewalttätigen, übergriffigen Vater, einer alkoholkranken Mutter und drei älteren Brüdern war kein Zuckerschlecken. „Es gab ständig Ärger. Die Männer waren Machos, wir Frauen zur Bedienung da und um Frust abzulassen. Ich war sooft es ging nicht zuhause“. Ja, den Hauptschulabschluss habe sie gemacht, aber weiter ging es mit einer Ausbildung nicht. Mit 16 lernte sie bei einem Gelage im Schlosspark Hans-Peter kennen und verliebte sich in den attraktiven 18-Jährigen – glücklich, dass es jemanden gab, der sie wahrnahm und wollte. „Ich war eine naive, dumme Gans“, sagt sie heute.

Gemeinsame Zukunftspläne

Das Paar machte Pläne, immerhin hatte ihr „Zukünftiger“ eine feste Stelle. Sandra wurde schwanger und von einer Ehe war nicht mehr die Rede. „Seine Familie machte Druck gegen mich, behauptete, ich hätte es drauf angelegt und wolle ihn nur ausnehmen. Meine Familie war stinksauer, nannte mich eine Nutte und setzten mich vor die Tür.“ Mit Unterstützung der Behörden und dank sozialer Schwangerschaftshilfe kam die eben erst Volljährige vorübergehend unter und brachte ihren Sohn Kevin zur Welt. Nach den ersten Jahren des Versuchs, sich durchzuschlagen, kapitulierte die psychisch angeschlagene junge Frau und gab den Jungen in eine Pflegefamilie. „Deshalb hatte ich immer ein schlechtes Gewissen“, sagt sie.

Dieses schlechte Gewissen hat sie Ende 2016 dazu gebracht, den inzwischen 16-Jährigen, als er plötzlich mittellos vor ihrer Tür stand, wieder bei sich aufzunehmen. Keine gute Entscheidung, denn der Frust über sein Leben hatte Kevin inzwischen an Drogen und Alkohol gebracht. „Wenn er betrunken oder auf Droge war, hat er randaliert und sich mit meinem Noch-Ehemann angelegt. Das war für unsere sowieso schon zerrüttete Ehe nicht eben förderlich“.

Heftiger Streit eskaliert

Nach einem heftigen Streit, bei dem er seine Mutter und die jüngeren Halbgeschwister mit dem Tod bedroht hat, warf ihn der Mann raus. Kurz danach, in Folge einer überaus gewalttätigen Auseinandersetzung, war auch er weg, die Polizei zwang ihren Mann zum Gehen. Sandra Brehmer stellte Anzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung, was ein bedrohliches Stalking zur Folge hatte. Schließlich drang ihr inzwischen geschiedener Mann vor einigen Monaten nachts, dank des nicht abgegebenen Ersatzschlüssel, in die Wohnung ein, erschreckte und bedrohte Mutter und Kinder mit einer aufgesetzten Gruselmaske derartig, dass alle Drei noch immer traumatisiert sind.

Die Polizei hatte den Störenfried ein zweites Mal aus der Wohnung entfernt. Inzwischen gibt es ein gerichtlich ausgesprochenes Annäherungsverbot. Das Gerangel um Unterhaltszahlungen ist noch anhängig. Deshalb bekommt Sandra Brehmer derzeit auch nur eingeschränkt Sozialhilfe und muss unter anderem die Transportkosten zur Schule und zum Kindergarten sowie zu den notwendigen Therapeuten aus eigener Tasche zahlen. Die verzweifelte Mutter hofft nun auf ein möglichst schnell abgeschlossenes Verfahren und bis dahin auf Unterstützung von Mitmenschen in Not für die Fahrtkosten. „So könnte ich das dafür zurückgelegte Geld diesmal für Geschenke und einen Weihnachtsbaum ausgeben. Die Kinder hätte etwas Frieden und Freude so sehr verdient“.

Von Doris Hennies

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