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Celle Stadt Gewaltiger Umbau des Schulsystem
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gewaltiger Umbau des Schulsystem
19:01 03.06.2011
Die Schuldiskussion im Landkreis geht weiter Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Dass die Vorschläge des Gutachters Wolf Krämer-Mandeau weitreichend ausfallen würden, hatte sich schon bei der Vorstellung der Ist-Analyse angekündigt, aber vielleicht hatte nicht jeder mit so gewaltigen Änderungen gerechnet. Der Gutachter und sein Team schlagen einen kompletten Umbau des Schulsystems mit Fusion sämtlicher Haupt- und Realschulen zu Oberschulen vor und empfehlen indirekt die Schließung vieler Grundschulen, die von der Schülerzahl her aus ihrer Sicht zu klein sind.

„Wir sind froh, dass wir ohne Vorbedingungen an die Untersuchung gehen konnten. Unser Ziel war es, Strukturen zu empfehlen, bei denen man in fünf Jahren zurückschauen und sagen kann, dass es richtig war sie so zu ändern“, sagt Krämer-Mandeau. Das bedeutet nach seiner Meinung auch, dass ineffiziente Strukturen abgeschafft werden müssen. „50 Prozent der Schulen im Landkreis sind aus unserer Sicht nicht entwicklungsfähig. Anforderungen wie die Inklusion, also die Eingliederung von behinderten Schülern, und zusätzlich die Oberschule würden als weitere Projekte vor der Tür stehen.

Der Gutachter schlägt bei den Grundschulen zwar keine Schließungen vor, merkt aber zum Beispiel an, dass es in der Stadt Celle viele Schulen gibt, die einzügig arbeiten und räumlich keine guten Voraussetzungen haben. Sein Vorschlag: Größere Einheiten schaffen und diese gut ausstatten, um Projekte wie Ganztagsschule und Inklusion besser umzusetzen und durch einen größeren Pool an Lehrern mehr Flexibilität zu erreichen.

Bestätigt fühlen darf sich der Wathlinger Bürgermeister Torsten Harms. Der Gutachter macht oder übernimmt den Vorschlag, in Bergen, Winsen und Wathlingen Oberschulen mit gymnasialem Zweig zu schaffen und die Oberstufe für diese Schulen in Celle anzusiedeln. Für die Gutachter wäre eine solche Oberstufe an ehesten im Schulzentrum Burgstraße, also angegliedert an das Gymnasium Ernestinum, möglich. Krämer-Mandeau machte aber deutlich, dass es dafür auch noch andere Möglichkeiten gibt.

Pärchenbildung: Nicht nur der Vorschlag nach einer zentralen Oberstufe wird erheblichen Abstimmungsbedarf mit dem Kultusministerium erfordern. Der Gutachter schlägt auch vor, dass jeweils zwei Oberschulen Pärchen bilden, also eng mit einander kooperieren und dass Schüler aus den jeweiligen Einzugsbereichen nur dorthin gehen können. So wird aus Sicht von Krämer-Mandeau das Angebot regional abgesichert und Konkurrenz ausgebremst. So schlägt er eine Pärchenbildung zwischen den Oberschulen in Hermannsburg und Bergen vor, die aus seiner Sicht mit der Zahl an Grundschülern eine vier- bis fünfzügige Oberschule an zwei Standorten tragen könnte.

Gymnasien bleiben unangetastet: Nach Meinung des Gutachters wird durch den Oberschulzweig in Bergen, der aus der Nordkreisstadt schon seit längerem gefordert wird, das Gymnasium in Hermannsburg nicht gefährdet, auch wenn es „durch diese Einrichtung tangiert wird“, wie Krämer-Mandeau sagte. In seinen Vorschlägen äußert er kaum verhohlene Kritik an dem Gymnasium in Hermannsburg. Das Christian-Gymnasium sei „stark selektiv (hoher Schülerverlust zwischen den Jahrgangsstufen) und die Schülerzahlen sinken“, heißt es in den Vorschlägen. Daher sei ein weiterer Ausbau oder Umbauten für das Gymnasium abgesehen von sicherheitsrelevanten Arbeiten einzustellen.

Alle anderen Gymnasien sowohl in der Stadt als auch im Landkreis Celle bleiben nach dem jetzigen Stand der Vorschläge unberührt.

Zeitplan: Die Vorstellung gestern war der Auftakt zu einer wohl länger dauernden Diskussion. Öffentlich vorgestellt werden die Pläne am Donnerstag, 9. Juni, 14.30 Uhr, im Schulausschuss des Landkreises, der im Kreistagssaal tagt. Danach wird die Diskussion mit den einzelnen Schulen und Gemeinden beginnen. Landrat Klaus Wiswe rechnet nicht damit, dass die Beschlüsse noch vor den Kommunalwahlen umgesetzt werden. „Das jetzt in einem Hauruck-Verfahren zu machen, wäre kein guter Stil. Aus unserer Sicht wäre ein klares Votum des Kreistages das Beste, in dem wir beauftragt werden, auf der Grundlage des Gutachters diese Vorschläge zu erarbeiten.“

Auch der Landrat ist sich bewusst, dass die Vorschläge „Anlass zu einigen Diskussionen geben werden, allerdings waren sich die Kreistagsmitglieder im Klaren, dass sie auch mit Vorschlägen konfrontiert werden, die von der Umsetzung her schwieriger seien würden“, so der Landrat. Zudem seien es für viele Kommunen positive Vorschläge.

Wiswe erwartet vom Land, dass dieser Prozess anerkannt und wohlwollend unterstützt wird gerade auch bei Fragen wie der gemeinsamen Oberstufe für die Oberschulen aus dem gesamten Landkreis.

Von Tore Harmening