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Celle Stadt Glanzparade vor Traumkulisse (mit Video)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Glanzparade vor Traumkulisse (mit Video)
18:16 02.12.2018
Tausende Besucher kamen in die Altstadt um die erste Celler Weihnachtslichterparade zu bestaunen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Spektakulär, poetisch, wunderschön – so präsentierten sich am Samstagabend 30 Celler ihren Mitbürgern im Herzen der Stadt. Wer zu diesem Zeitpunkt den Weihnachtsmarkt – samt Manufaktur – besuchte, konnte sich aus zwei Gründen glücklich schätzen: erstens weil er unter den Massen von Menschen ein kleines Plätzchen für sich ergattern konnte und zweitens weil er Zeuge des Höhepunktes des diesjährigen adventlichen Treibens wurde. Denn die Lichterparade des deutsch-brasilianischen Künstlers Fernando Vieira dürfte durch keine andere Veranstaltung zu toppen sein.

Glühwürmchen überall

Wenn der Tag sich in Herbst und Winter zu früher Stunde ein dunkles Gewand überstreift, dann gewinnt künstliches Licht an Bedeutung, der Advent bietet von jeher dafür eine Bühne, aber selten hat man Leuchtkraft so außergewöhnlich in Szene gesetzt gesehen wie bei diesem Umzug durch die Altstadt. Eigentlich weiß beim Auftakt vor dem Schloss niemand so recht, wo für die 30 Akteure noch Raum sein soll, so dicht gedrängt stehen die Besucher im Eingangsbereich des Parks. Doch wie aus dem Nichts tauchen sie plötzlich auf, strahlen von der ersten Sekunde an wie abertausend kleine Glühwürmchen. Auf brasilianisch heißt dieses Vagalume und verleiht der Performance ihren Namen.

Märchenhaftes Treiben

Für Vieira ist Improvisieren nichts Besonderes. „Es verläuft nie so, wie geplant“, sagt er hinterher, als er auch die Live-Schalte des NDR erfolgreich absolviert hat. Die Zuschauer bilden Spalier, wenn nötig, hilft Viera, der vorneweg geht, ein wenig nach. Der Blick ist frei für die prachtvollen, überaus phantasievoll, sehr vielfältig und aufwändig gestalteten Kostüme. Sie sind allein des Hinsehens wert, doch was die darin steckenden Akteure, die der Künstler gemeinsam mit der Choreographin Margarida Martins per Casting rekrutiert hat, tänzerisch bieten, ist phänomenal. Die dargestellten Figuren spannen einen Bogen vom Hofnarren mit langer Nase und Mütze à la Til Eulenspiegel über Prinzessinnen aus russischen Märchen, lebenden Nussknackern und Lebkuchen bis hin zu kleinen Besuchern aus dem All, die mit Kostümen in Pastell sowie blauen, gelben oder grünen Haaren futuristisch anmuten. Vollführen die beiden Nussknacker ihren Tanz in Breakdance-Manier, werden die „Außerirdischen“ zu Statisten, bleiben starr stehen.

Riesen-Einhorn dabei

Der Variantenreichtum und Wechsel der Musikstücke, die stetig unterschiedliche Tanzstile erfordern, ist ein Herzstück des Events. Die Besucher sind hautnah am Geschehen, können sehen, dass selbst die Augenlider der Darsteller mit winzigen Leuchtkörpern ausgestattet sind, und werden Zeuge, wie anfängliche Aufregung im Laufe des Umzuges durch die Altstadtgassen ausgelassener Tanzfreude weicht. Wer den Anschluss an die Glühwürmchen in der Menschenmenge verpasst, findet die Parade leicht wieder – das Riesen-Einhorn überragt selbst die höchste Weihnachtsbude.

Phantasie-Gestalten

Eines der schönsten Bilder formiert sich gegen Ende auf dem Rückweg: 30 Gestalten aus dem Reich der Phantasie – Elfen, Feen, Narren, Engel und Prinzessinnen in „Rauschekleidern“ und ein Lebkuchen marschieren durch den Schlosspark, erklimmen den kleinen Hügel und entfalten vor dem Dunkelgrün des Gartens die intensivste Leuchtkraft. Szenen voller Poesie und Schönheit. „So wunderbar, so einmalig“, „phantastisch“ oder „so schön habe ich es mir nicht vorgestellt“, lauten denn auch die Kommentare der Zuschauer. Der Künstler, der seine Performance bereits in zahlreichen deutschen Städten zur Aufführung gebracht hat, gibt das Kompliment zurück. Ganz zum Schluss des grandiosen Spektakels sagt er: „Celle war die schönste Kulisse, die wir je gehabt haben.“

Ein echter Hingucker war am Samstag die Celler Weihnachtsmarkt-Lichterparade.

Von Anke Schlicht