Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Glanzvoller Theaterabend
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Glanzvoller Theaterabend
21:49 18.11.2018
Celle / Groß Hehlen

Glanz – das ist es, wonach die junge Frau aus der Provinz in der schillernden Großstadt strebt. Um ihr Ziel in Worte zu fassen, bedient sie sich einer ganz eigenen, unverwechselbaren Sprache. Nur eine Besonderheit, die den 1932 erschienenen Roman von Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen“ so einzigartig machte. „Ich will so ein Glanz werden, der oben ist. Mit weißem Auto und Badewasser, das nach Parfüm riecht, und alles wie Paris“, formuliert Doris ihren Traum. Wie dieser gnadenlos scheitert, eigentlich nie die leiseste Chance auf Verwirklichung hatte, zeigt Regisseur Sebastian R. Richter in einer überaus gelungenen Adaption der Bühnenfassung von Gottfried Greiffenhagen für das Celler Schlosstheater. Ein wenig muss sich das Publikum bei der Premiere am Freitagabend gedulden, bis es auf der Turmbühne eintauchen darf ins Berlin der Weimarer Zeit.

Johanna von Gutzeit beginnt ihre brillante Darstellung der Doris im Kellergewölbe, singt, eingehüllt in einen geklauten Pelz, im Foyer ein Lied, um ihre Gäste im Anschluss einzuladen in eines der vielen Lokale, die seinerzeit den Schauplatz boten für den Tanz auf dem Vulkan. Doris lässt in Form eines Monologs teilhaben an ihrem Kampf um die Existenz in der gnadenlosen Stadt. Stets ist die Gosse näher als der Glanz. Nie hat die Frau gelernt, sich wertzuschätzen, ihre Klugheit fand keine Nahrung, ungebildet muss sie durchs Leben gehen. Was dieses bereithalten kann, erfährt sie nur als Zaungast, der Einlass in die Welt des Glücks und Erfolgs bleibt ihr verwehrt. Ab und zu bekommt sie einen Zipfel zu fassen, erahnt, wie es sein könnte, wirklich zu leben, geliebt zu werden ohne Reduktion auf Jugend und Schönheit.

Turmbühne zum Strahlen gebracht

Eine zeitlose Geschichte vom Streben nach Glück, Illusionen, zerplatzten Träumen. Richter spart den politischen Hintergrund jener Jahre, die die Vorboten des Nationalsozialismus bereits aussandten, nicht aus, stellt die persönliche Geschichte jedoch in den Mittelpunkt. Welch ein Glücksgriff die Besetzung mit Johanna von Gutzeit war, zeigt sich bei der Premiere auf unvorhersehbare Weise: Feueralarm durchbricht die Aufführung. Auch die Schauspielerin steht minutenlang draußen in der Kälte. Doch auf den Punkt ist sie nach der Entwarnung zurück in Doris‘ brüchiger Welt, setzt ihr intensives Spiel fort.

„Das kunstseidene Mädchen“ gibt den Traum vom Glanz auf, doch die Zuschauer durften am Premierenabend Glanz erleben. Die Inszenierung von Sebastian R. Richter mit einer Dramaturgie von Matthias Schubert, sehr gut gewählten Kostümen von Iris Wuthnow und allen voran dem grandiosen Spiel von Johanna von Gutzeit haben die Turmbühne zum Strahlen gebracht.

Von Anke Schlicht

Zwölftklässler des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums haben die Gedenkrede zum Volkstrauertag in Celle gestaltet. Zuvor haben sie Freunde befragt.

Dagny Siebke 18.11.2018

Neun Musiker überzeugten in "Kunst & Bühne" mit ihren geistreichen Texten und ihren Akustik-Gitarren. Ein Künstler sang über Erfahrungen mit Tieren.

18.11.2018

Tonja alias "Der To" bewegt seine Zuhörer, weil er über Höhen und Tiefen des Lebens singt, die er selbst erlebt hat.

18.11.2018