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Celle Stadt Glühbirne wird neuer Lebensraum für fleischfressende Pflanze
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Glühbirne wird neuer Lebensraum für fleischfressende Pflanze
17:28 02.01.2014
Zu den Lieblings-Lichtkunstwerken von Laura Zoremba gehört „Habitat“ von Rosmarie Weinlich. Quelle: Susanne Harbott
Celle Stadt

Ein kleiner Raum mit großer Wirkung. Mein Lieblingsstück der aktuellen Ausstellung Schweinwerfer „wuchert“ in unserem ehemaligen Rahmenlager unter der Treppe zum Dachgeschoss. Ein bisschen geheimnisvoll kommt das Werk daher: die Tür steht nur einen Spaltbreit offen. Im Inneren leuchtet es. Tritt man näher heran – neugierig geworden durch den Schimmer hinter der Tür – entdeckt man Erstaunliches. Kleine Pflänzchen wachsen, abgeschlossen von unserer Umwelt, in den entkernten Glashüllen ehemaliger Glühbirnen. Die Künstlerin hat innerhalb der gläsernen Hülle ein abgeschlossenes System entstehen lassen. Ein Nährmedium und Licht lassen die kleinen fleischfressenden Pflanzen in ihrem eigenen Universum bis zu zwei Jahre alt werden. Ist eines der kleinen Habitate fertig, übernimmt die Zeit den Rest der künstlerischen Aufgabe. Doch auch das Nicht-Gelingen gehört für die Künstlerin zu dem Experiment mit Leben und Vergänglichkeit. Einige Pflanzen sterben ab, ihr System war nicht dicht genug abgeschlossen, auch dieser Prozess bringt Veränderung mit sich.

Die zierlichen Organismen wachsen nur sehr langsam, von „wuchern“ kann also in diesem Zusammenhang eigentlich nicht die Rede sein. Doch tritt man schließlich ein, hat man den Eindruck, dass die Stromkabel wuchern. Sie werden so selbst zu „Wurzeln“ und versorgen die Pflanzen – und gleichzeitig das Kunstwerk – mit Licht. So greift Rosmarie Weinlich im doppelten Sinne die Thematik von Licht und Leben auf.

Noch ein persönlicher Tipp: Genau über der Treppe befindet sich eine weitere spannende Arbeit von Nils Völker, die durch ihre poetische Einfachheit besticht.

Laura Zoremba – seit Juli 2013 als Volontärin am Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon – hat in Münster und Bochum Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Kunst studiert. Die Ausstellung „Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert“ läuft noch bis zum 30. März 2014. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.

Von Cellesche Zeitung