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Celle Stadt Gnadenfrist für Celler Sprachheilschule
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gnadenfrist für Celler Sprachheilschule
15:18 05.12.2013
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Überforderte Lehrer, nicht ausreichende Förderung der Kinder, enttäuschte Eltern – bei der Einführung der Inklusiven Schule in Niedersachsen knirscht es an allen Ecken und Enden. Das hat sich offenbart, nachdem die Förderschulen Lernen mit Beginn dieses Schuljahrs keine Schüler mehr aufnehmen durften. Die Landesregierung gibt nun den Förderschulen Sprache eine Gnadenfrist von einem Jahr.

Ursprünglich sollten diese Förderschulen mit Beginn des kommenden Schuljahres keine Schüler mehr aufnehmen dürfen. Jetzt wurde dieser Termin vom Niedersächsischen Kultusministerium um ein Jahr auf das Schuljahr 2015/2016 verschoben. Damit möchte die Landesregierung für "mehr Planungssicherheit und für ein realistisches Zeitfenster für einen vorbereitenden Dialog und umfangreiche Anhörungen" sorgen, heißt es aus Hannover.

Landrat Klaus Wiswe (CDU) glaubt denn auch nicht, dass die rot-grüne Landesregierung in ihrer Inklusionspolitik eine Umkehr vornimmt. "Das wäre zwar wünschenswert, aber eine inhaltliche Änderung der Politik sehe ich leider nicht." Wiswe stellte fest, dass man sich im Kultusministerium viel zu viel vorgenommen habe. "Die Auswahlmöglichkeiten der Eltern werden drastisch beschränkt. Gleichzeitig verkennt man die guten Möglichkeiten, die an diesen Schulen bestehen", sagte der Landrat.

Das bestätigt ein Blick in die Sprachheilschule in Klein Hehlen. 185 Schüler mit sprachlichen Entwicklungsstörungen besuchen diese Einrichtung in den Klassenstufen 1 bis 4. "Ziel ist die schnellstmögliche Rückschulung der Kinder in den Grundschulbereich", erklärte Schulleiterin Susanne Fischer. Und dieses Ziel wird eindrucksvoll erreicht. "Nach der 2. Klasse verlassen etwa ein Drittel der Schüler dieses Jahrgangs unsere Schule wieder", so Fischer.

Fischer ist gleichzeitig Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik und kämpft als solche für den Erhalt der Förderschulen Sprache. "Kinder mit einem umfangreichen Förderbedarf im Bereich Sprache können unter den derzeitig angedachten inklusiven Bedingungen unserer Meinung nach nicht erfolgreich beschult werden", sagte Fischer.

An den inklusiven Schulen fehle es hingegen an den notwendigen Ressourcen und an der fachlichen Expertise. Die Eltern erwarteten nach Therapien und einer Eingliederung in Sprachheilkindergärten eine Fortsetzung der Beschulung in Sprachheilschulen. "Man kann nicht ein gut funktionierendes System der Hilfen abschaffen, bevor ein neues System erfolgreich installiert wurde", meinte Fischer.