Google weiß, wann Celler Läden voll sind
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Celle Stadt Google weiß, wann Celler Läden voll sind
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Google weiß, wann Celler Läden voll sind
18:46 09.01.2017
Wer bei Google größere Geschäfte oder wichtige Plätze sucht, findet neben den Öffnungszeiten auch den aktuellen Besucherandrang. Quelle: Oliver Knoblich
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Wer gerade seinen Einkaufsbummel in der Celler Altstadt plant und keine Lust hat auf lange Schlangen an der Kasse, kann bei Google schauen, wie voll die größeren Geschäfte gerade sind. Die Suchmaschine verrät nicht nur die Öffnungszeiten, sondern auch den durchschnittlichen Andrang um diese Zeit und die Verweildauer. „In der Regel verbringen Menschen hier 20 Minuten“, heißt es bei Saturn Celle. Bei Karstadt sind es bis zu 45 Minuten. Im Schloss halten sich die Besucher sogar bis zu drei Stunden auf. Auch am Bahnhof kann man mit dem Smartphone die Stoßzeiten nachvollziehen.

Inzwischen gibt es eine neue Funktion, die sogar den Live-Abgleich macht. „Viel mehr Besucher als gewöhnlich“, schreibt Google über den Montagnachmittag bei Saturn, währenddessen ist der Baumarkt Toom nur mäßig besucht. „Richtig, was meinen Sie?“, fragt die Suchmaschine ihre Nutzer. „Angabe stimmt oder Ort hat weniger Besucher oder Ort hat mehr Besucher als in Live-Daten.“ Für das Neue Rathaus gibt es diese Funktion noch nicht, dafür fragt Google: „Sind Sie der Inhaber des Unternehmens?“

Kathrin Körber ist Expertin für Datenschutz bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Sie erklärt: „Mit jedem Klick im Internet wird Geld verdient.“ Das Ziel sei es, dem Nutzer möglichst attraktive Werbung auf den Seiten anzuzeigen. „Bei Facebook findet sich der Verbraucher selbst wieder“, sagt Körber. Werbung für seine Zielgruppe, zugeschnitten auf Geschlecht, Alter, Interessen.

„Es wird alles erfasst, sobald sie sich mit ihrem Gerät einwählen“, betont Körber. Wo man sich einloggt, ob man mit dem Smartphone, dem Tablet oder dem PC googelt. Wie alt das Modell ist und welche Software man benutzt. „Im Browser hinterlässt man einen digitalen Fingerabdruck“, so Körber. Im Verlauf werden die angewählten Internetseiten und die verwendeten Suchbegriffe verzeichnet. „Problematisch wird es, wenn man die Daten personenspezifisch zuordnen kann“, betont Körber.

Wer seine Bewegungsdaten nicht übermitteln möchte, müsse die Einstellungen der Privatsphäre seines Kontos überprüfen. Viele Apps listeten auf, auf welche Funktionen sie zugreifen wollen. „Jeder entscheidet dabei selbst, was er zulassen möchte“, erklärt Körber. Man sollte skeptisch werden, wenn zum Beispiel auf Fotos, GPS-Daten und Lautsprecher zugegriffen werden soll. „Das wird alles ausgewertet“, so Körber.

Einige Nutzer haben sich zum Beispiel schon gewundert, als ihnen nach einem Gespräch mit Freunden über Weihnachtsgeschenke, die passende Werbung im Internet angezeigt wurde. Oder nach bestimmten Suchbegriffen. „Man sollte vorsichtig sein, wie klar das digitale Ich erkennbar ist“, sagt Körber. Besonders heikel werde es zum Beispiel, wenn man sich im Internet über bestimmte Krankheiten schlaumache.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen kritisiert: „Die Verbraucher müssen enorm viel tun, um sich selbst zu schützen. Im Gegensatz dazu ist die Nutzung der Dienste total einfach. Was jeder Klick bedeutet, machen die Seitenbetreiber nicht klar“, erläutert Körber. Viele sind oft damit überfordert. "Wir sehen dabei die Unternehmen in der Verantwortung, die Nutzer besser aufzuklären.“

Von Dagny Rößler