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Celle Stadt "Gott sei Dank ist Schluss": Celler Milchbauern und die Milchquote
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Gott sei Dank ist Schluss": Celler Milchbauern und die Milchquote
18:02 31.03.2015
Von Simon Ziegler
"Gut für uns": Walter Otte kann jetzt so viel Milch auf den Markt bringen, wie er will.  Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Walter Otte bedauert das Ende nicht. "Mein Verstand sagt mir, dass es gut für uns ist", sagt der Landwirt, der mit seinem Partner Paul Rabe in Sülze Milch produziert. Nach über 30 Jahren lief gestern die Milchquote aus. Milchviehhalter können jetzt so viel Milch auf den Markt bringen, wie sie wollen.

Otte und Rabe haben 320 Kühe. Ihre Quote besagte, dass sie im Jahr 2,8 Millionen Liter an die Molkereien liefern durften. Fünf Prozent darüber waren auch noch okay, weil dies mit anderen Betrieben, die ihre Quote nicht erreichten, verrechnet wurde. Für jeden Liter darüber wurde eine saftige Strafe fällig – etwa zwölf Cent pro Liter. Da kann ein Betrag von 20.000 Euro zusammenkommen.

Die Milchquote ist ein äußerst kompliziertes Instrument, das 1984 europaweit eingeführt wurde. Es geht um Lieferrechte, die an einer Börse erworben werden, um nationale Quoten und "Superabgaben", wenn die Mengenbegrenzung überschritten wird.

Das alles fällt jetzt weg. "Die meisten Landwirte sind froh, dass es vorbei ist", sagt Kreislandwirt Jürgen Mente. Auch die Molkerei in Eschede begrüßt das Ende der ungeliebten Quote. "Gott sei Dank ist Schluss. Wir haben weniger Aufwand mit der ganzen Rechnerei", sagt Betriebsleiter Walter Hormann. Dass kaum jemand der Milchquote nachtrauert, hängt nicht nur mit dem enormen bürokratischen Aufwand zusammen. Die wichtigsten Ziele hat die Quote ohnehin nicht erreicht. Sie sollte die Preise für die Produzenten sichern und den Strukturwandel aufhalten. Doch der Milchpreis ist ein ständiges Auf und Ab. Vor ein paar Jahren bekamen manche Landwirte von den Molkereien nur gut 20 Cent für den Liter. Bis zum vergangenen Sommer waren die Bauern zufrieden, der Preis lag bei etwa 39 Cent. Derzeit bekommen die Milchviehhalter etwa 28 oder 29 Cent pro Liter.

Der Trend, wonach immer mehr Milchbauern aufgeben oder auf andere Betriebszweige setzen, geht weiter. Im Kreis Celle gibt es laut Mente heute noch 105 Produzenten, 1988 waren es 590 Betriebe mit Milchvieh. Dafür werden die Betriebe immer größer, im Schnitt halten nach Angaben der Molkerei in Eschede die Bauern 65 Tiere. In den achtziger Jahren waren es gerade mal 23 Kühe.

Mente glaubt nicht, dass die Milchbauern mit dem Ende der Quote ihre Produktion von heute auf morgen nach oben fahren. Das sei technisch gar nicht möglich. "Es weiß keiner ganz genau, wie die Entwicklung weitergeht", sagt der Kreislandwirt, der bis 2005 selbst Milchkühe hatte. Prognostiziert wird, dass weltweit die Nachfrage nach Milch steigen soll.

Walter Otte in Sülze will langfristig die Milchproduktion auf seinem Hof steigern. Es gebe Stallkapazitäten für weitere 50 Kühe. Angst, zu viel zu liefern, muss er dann nicht mehr haben.