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Celle Stadt Gottesdienst in Celler Schlosskapelle wird zum Happening
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gottesdienst in Celler Schlosskapelle wird zum Happening
20:59 25.10.2017
Von Dagny Siebke
Nur 18 ausgewählte Gäste durften direkt in die Schlosskapelle. Karin und Wolfgang Diedrich aus Bergen gehörten zu den Glücklichen. Nach 20 Minuten zogen sie mit dem Tross in die Stadtkirche. Dort war genügend Platz für weitere Besucher. Quelle: Michael Schäfer
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„Wir freuen uns schon so lange darauf, wieder in die Schlosskapelle zu können“, betonte Karin Diedrich. Eigentlich wollten sie dort schon auf ihre goldene Hochzeit anstoßen und sich die Kunstwerke nach der Sanierung genauer ansehen. Doch seit Anfang der 90er Jahre trennt eine Glaswand Besucher und Kapelle. Denn die „Übernutzung“ in den Jahrzehnten zuvor nagte an diesem bedeutenden Zeugnis der Renaissancekunst. Bis zu 70.000 Besucher jährlich brachten so viel Feuchtigkeit und Mikroorganismen in die Schlosskapelle, dass deren Substanz stark angegriffen wurde.

20 Minuten lang hielten sich die Ehrengäste in der Schlosskapelle auf. In der Stadtkirche sorgten der Junge Chor Celle, die Celler Bläsergruppe sowie Kantorin Lisa Michaelis für die musikalische Überleitung.

Landesbischof Meister ging in seiner Predigt der Frage nach, wie die biblischen Bildmotive in der Celler Schlosskapelle während der Reformationszeit aufgenommen wurden. Er nannte die Gestaltung „ein Regierungsprogramm feinsten protestantischen Naturells.“ Jesus Christus als Weltenherrscher im Mittelpunkt, die Erdkugel zu seinen Füßen. Engel dienen ihm. Jesus scheidet die Zahl der Völker in zwei Gruppen: „Die Gesegneten in ihren farbenfrohen Kleidern zur Rechten, von Engeln umgeben. Die Verfluchten zur Linken, in den Krallen von dämonischen Fabelwesen“, so Meister. Außerdem erläuterte er, was es für die Gegenwart bedeutet, barmherzig zu handeln.

Mit dem Festgottesdienst beginnt eine zweijährige wissenschaftliche Prüfphase, in der das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege untersucht, ob künftig eine maßvolle Öffnung der Schlosskapelle für Führungen und Gottesdienste möglich ist. Wenn sich im Laufe der Erprobungsphase herausstellen sollte, dass die Nutzung der Kapelle keine schädigenden Auswirkungen auf die bedeutenden Kunstwerke zur Folge hat, könnten wieder wöchentliche Abendandachten in der Kapelle möglich sein. Bei einzelnen Veranstaltungen werden nun Daten gesammelt. Mit den gewonnenen Zahlen wird eine Computersimulation erstellt, die Varianten der künftigen Nutzung errechnet.

Karin und Wolfgang Diedrich kann es nun einerlei sein, was am Ende bei der Studie herauskommt. Das Ehepaar aus Bergen hat gestern innerlich das zweite Mal Hochzeit gefeiert. Nach dem Gottesdienst sagten sie: "Wir haben alles aufgesogen und werden die Eindrücke noch tagelang auf uns wirken lassen."