Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Graßhoff-Hommage mit Wumpe-Lied im Malersaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Graßhoff-Hommage mit Wumpe-Lied im Malersaal
16:36 12.12.2013
Zum 100. Geburtstag von Fritz Grasshoff boten Hartmut Gebhart (links) und Eugen Jost den Zuhörern eine musikalische Hommage an den „Maler-Poeten“. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Angefangen mit Graßhoffs wohl berühmtestem Lied „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ führte Gebhardt humorvoll und mit anekdotischem Geschick durch das abwechslungsreiche Werk des von 1946 bis 1967 in Celle beheimateten Multitalents. Dabei bildeten die „Halunkenpostille“ und „Der blaue Heinrich“ den Schwerpunkt seiner Vorträge. Hier die unverblümten Verse, „schlagend wie Backpfeifen“ und „jeder Reim wie die Faust aufs Auge“, wie sie ein Zeitgenosse charakterisiert hat, dort Graßhoffs autobiografische Abrechnung mit der Sinnlosigkeit des Krieges („Den Globus wollten wir braten, doch war die Pfanne zu klein“), raffgierigen Frauen und grotesken Vorgesetzten.

Wenn auch die Textverständlichkeit mitunter sehr zu wünschen übrig ließ, so ließ Gebhardt die Figuren der „Halunkenpostille“ zwischen deftigen Erlebnissen zwischen Männern und Frauen und Abenteuern auf hoher See doch in all ihren schillernden Facetten lebendig werden, von der Ballade vom gewaltig „furzenden“ Ritter („Die Winde des Herrn Prunzelschütz“), die „anständigen“ Leuten damals die Schamesröte ins Gesicht trieb, über das „Wumpe-Lied“ und „Unterwegs“ bis zu den Mädchen auf Kap Hoorn („Oh Signorina-rina-rina“). Und das Publikum lauschte begeistert Graßhoffs gesellschaftskritischen und dabei wenig zimperlichen Versen, die von Gebhardt mit hintergründigen Informationen über Graßhoffs Leben ergänzt wurden. Dabei stellte er immer wieder den Wortwitz, die Sprachakrobatik und – bezogen auf die „Zielscheibe“ der Lieder und Gedichte – die Treffsicherheit des Autors zwischen Sarkasmus und Augenzwinkern heraus.

Doch als sich die gut gemeinte „Laudatio“ immer mehr in die Länge zu ziehen begann, reagierten die Zuhörer zunehmend genervt: Im selben Maße, wie ihre Ungeduld anstieg, ließ ihre Aufmerksamkeit nach und machte vermehrt einem mahnenden Blick auf die Uhr Platz. Das Publikum hatte – in doppeltem Sinne – genug, so dass am Ende nicht mal mehr eine Zugabe verlangt wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl