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Celle Stadt Grasshoff-Schau im Celler Bomann-Museum: Zwischen Poesie und Heiterkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Grasshoff-Schau im Celler Bomann-Museum: Zwischen Poesie und Heiterkeit
17:59 09.12.2013
Fritz Graßhoff: „Gespensterreiter“; - Öl auf Paper, 1955. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Auf kaum jemanden trifft der Doppelbegriff „Maler-Poet“ so bezeichnend zu wie auf Fritz Graßhoff (1913-1997). Hier der Dichter feinsinniger Poeme, deftiger Balladen und Vagantenlieder sowie Interpret antiker Lyrik, dort der vielseitige Maler und Grafiker. Mit rund fünfzig Gemälden und Grafiken, zusammengestellt aus Privatsammlungen und sämtlichen in städtischem Besitz befindlichen Arbeiten, stellt das Bomann-Museum in einer Sonderausstellung vordergründig den bildenden Künstler Fritz Graßhoff in all seinen Schaffensphasen vor.

Den fachgerechten Umgang mit Farben erarbeitete sich Graßhoff während seiner Lehre als Kirchenmaler. Doch die malerische Gestaltung eines Bildes, die Leichtigkeit und Souveränität entwickelte sich erst nach und nach. Nachdem er vergleichsweise realistisch zu malen begann, folgte zunächst eine expressive Phase mit bereits erkennbaren Tendenzen zu Tachismus und abstrakter Malerei, bevor er zu der ihm eigenen erzählenden Bildsprache und schließlich auch zu bunt-abstrakter Darstellungsweise fand.

Schier grenzenlos zeigt sich in der Ausstellung die Anzahl von Graßhoffs bildgebenden Techniken. Wie als Sprachkünstler im Umgang mit Worten nutzt er in seinen Bildern die ganze Palette grafischer, zeichnerischer und malerische Ausdrucksmittel, um die Protagonisten quasi zum Sprechen zu bringen. Doch auch wenn – wie bei seinen „Katzenbildern“ – neben lyrischer Poesie gelegentlich zornige Heiterkeit oder finstere Lustigkeit aus seinen Bildern spreche, ganz anders als der „mal freche oder besinnliche Lyriker“ habe der Maler in seinen vergleichsweise „braven“ Bildern eine völlig andere Welt dargestellt, veranschaulichte die Kunsthistorikerin Dietrun Otten, die Kuratorin der Ausstellung. In der Tat: Von biblischen Themen über häusliche Idylle und schillernde Zirkusmotive sowie Aktdarstellungen bis hin zu bäuerlichen Szenen und ganz speziellen Celler Ansichten wie in seiner Lithografie „Hoch über den Dächern von Celle“ oder in seinem Ölbild „Gespensterreiter“ wandelt Graßhoff quasi zwischen impressionistischen Bilderwelten und fabelhaften Geschichten, aber auch sozialen Problemstellungen seiner Zeit.

Dabei musste Graßhoff auch mit einem eigenen Problem kämpfen, als in den frühen 60er-Jahren ein Augenleiden seine Möglichkeiten als Maler erheblich einschränkte. Doch statt sich damit abzufinden, erfand er in dieser Zeit eine eigene Technik, bei der er aus einer pastos aufgetragenen Farbschicht wie ein Bildhauer Reliefs modellierte: Die so genannten Gitterbilder. Exponate aus dieser Zeit wie etwa sein „Winterbild“ zeugen von der Willenskraft des Künstlers, sich mitzuteilen. Umso mehr widmete er sich nach überstandener Operation wie auch in seinen in Kanada entstandenen späten Bildern zunehmend den lustvollen und schönen Seiten des Daseins. Und seinen Erinnerungen an Celle.

Die Ausstellung ist bis zum 6. April 2014 zu sehen. Rolf-Dieter Diehl

Von Rolf-Dieter Diehl