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Celle Stadt Grauer Fleck auf roter Dach-Weste
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Grauer Fleck auf roter Dach-Weste
12:28 11.08.2017
Von Michael Ende
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Dazu gehört Ingo Vormann, der im Kulturkreis Fachwerk und im Celler Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalpflege aktiv ist. Wenn er das Grau des „Village“-Dachentwurfs erblickt, dann sieht er Rot. Er kann sich überhaupt nicht damit anfreunden. Vormann findet es „schön“, dass das verwaiste Feuerwehr-Areal neu bebaut wird – „wenn da nicht der gesichts- und farblose Hauptdarsteller Village mit seinen langweiligen, faden Fassaden und vor allem seinen grauen Dächern wäre. Warum wird die schöne rote Celler Dachlandschaft hier auf derart trostlose Weise unterbrochen?“ Vormann stört sich an der „unvorteilhaften farblosen Abgrenzung von der bunten, alteingesessenen Nachbarschaft“: „Wollen die Architekten demonstrieren, dass hier etwas ganz Besonderes, Elitäres entstanden ist? Warum ordnet man sich als Neubau nicht auch farblich in das Bestehende ein?“

Der „Village“-Entwurf hatte 2014 beim städtischen Architekturwettbewerb eine hochkarätig besetzte Fachjury überzeugt. Das Votum für das, was jetzt gebaut wird, fiel damals einstimmig aus. Dabei setzte man bewusst auf modernes Bauen am Rande der historischen Altstadt. „Die Gebäudeform strahlt in den öffentlichen Raum aus. Sie greift die Kleinteiligkeit der Altstadt auf, ist sowohl selbstbewusst als auch zurückhaltend“, so 2014 Celles Stadtbaurat Ulrich Kinder zu dem geplanten Objekt, das mit seinem Mix aus Wohnen und Gewerbe einen Entwicklungs-Impuls für den Südosten der Altstadt geben soll. Der damalige Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) bezeichnete den Entwurf des dänischen Architekten Carsten Lorenzen als „eleganteste und richtigste Lösung“ des gesamten Wettbewerbs, in dessen Ausschreibung die „Integration in das denkmalgeschützte Stadtensemble“ ein Qualitätskriterium war.

Im Kern der Altstadt gibt es strenge Vorschriften. So heißt es zum Beispiel in der dort gültigen städtischen Gestaltungssatzung: „Alle Dächer sind als Steildächer mit einer Neigung von 45 bis 60 Grad auszubilden. Sie sind mit roten, gebrannten Hohlpfannen (ohne Farbzusatz) nach DIN 456 einzudecken.“ Dürfen die „Village“-Macher angesichts solch detaillierter Vorschriften einfach ein graues Dach bauen? Die Antwort ist klar: Dürfen sie. Denn der Standort der ehemaligen Hauptwache liegt nicht im Gültigkeitsgebiet der Gestaltungssatzung.

„Die Village-Dächer sind in der Baugenehmigung anthrazit genehmigt“, so der städtische Pressesprecher Wolfgang Fischer. Damit werde das Ergebnis des Wettbewerbs umgesetzt: „Denkmalpflegerisch ist da alles korrekt gelaufen. Man könnte sogar einen Schritt weiter denken: Eine rote Verdachung würde den historischen Übergang zwischen Kern- und Vorstadt sogar verwässern.“

Ingo Vormann jedenfalls kann sich für das was kommt, nicht erwärmen. Das „Village“ sei für ihn jedenfalls kein Hingucker, sondern eher „langweilige, eintönige Allerweltsneubauten“: „Der Blick auf Celle vom Stadtkirchturm wird so mit Sicherheit nicht attraktiver.“ Doch wer will sich schon mit einem Blick vom Kirchturm zufrieden geben?