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Celle Stadt Großartiges Klangerlebnis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Großartiges Klangerlebnis
11:57 24.09.2018
Der Juventis-Jugendchor des KAV-Gymnasiums und das Ensemble Musica Assoluta in der Celler Stadtkirche. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Unglaublich, was man an diesem Abend erleben konnte: Ein Schulchor sang Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“. Und das auch noch so gut, dass es unter die Haut ging. Die Rede ist vom Konzert des Juventis-Jugendchores vom Celler Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium in der Celler Stadtkirche.

Als Orchester hatte man das hannoversche Ensemble Musica Assoluta verpflichtet, was sich auch als ein Glücksgriff erwies, denn die normalen Adhoc-Orchester der Region hätten das Niveau dieses Abends wohl kaum erreicht. Sogar in kritischen Momenten blieb dieses Orchester präsent und reaktionsschnell, folgte den Klangvorstellungen von Dirigent Stephan Doormann auf einem hohen klanglichen und spieltechnischen Niveau. Dass sich die vier durchweg sehr guten Gesangssolisten wie selbstverständlich einfügten, das ist man inzwischen ja bei Aufführungen unter Doormann schon fast als selbstverständlich gewohnt.

Aber das Wichtigste an diesem Abend war natürlich der Chor der Jugendlichen, der sich mit großer Begeisterung mit der Musik Mozarts, aber wohl auch teilweise mit der inhaltlichen Thematik des Stückes befasst hatte. Dass es für eine solch junge Generation alles andere als selbstverständlich ist, sich mit der realen Todesthematik und ihrer religiösen Dimension zu beschäftigen, ist klar. Dass eine musikalische Auseinandersetzung damit dann auch noch zu einem solch formidablen Ergebnis führen kann, das setzt vieles voraus. Zunächst einmal großes sängerisches Können, enorme Disziplin in der Erarbeitungsphase und nicht zuletzt ein beachtliches Durchhaltevermögen, das vor allem auch deshalb nötig ist, weil man sich mit dem Hobby „Requiem-Singen“ im eigenen sozialen Umfeld nicht von vornherein zum Star macht.

Ein Star war allerdings der Komponist dieser Musik zu seiner Zeit. Deshalb wurde Mozart den Jugendlichen in der Erarbeitungsphase auch dezidiert als Star nahegebracht und ihm eine heutige Form beigesellt als Influencer in sozialen Netzwerken. Diese Rolle im Vorfeld der Aufführung hatte Schauspieler Alex Friedland übernommen und diese Figur noch in die Realität des Konzerts übertragen. Ob das gelungen ist, können nur diejenigen beurteilen, die Teil solcher sozialen Netzwerke sind, nämlich die Jugendlichen selbst. Für einen Außenstehenden wirkte dieser Teil der Aufführung eher fremd. Und die Dekoration von Mozarts anfangs gespielter „Jupiter-Sinfonie“ mit Videofilmen mag ja für manchen Klassikanfänger reizvoll gewesen sein, für den Musikkenner lenkte sie eher ab von einer Aufführung, in der Doormann zudem einen Satz der Sinfonie gestrichen hat: eine sehr fragwürdige Sache.

Aber all das waren nur Randerscheinungen im Vergleich zum großen Klangerlebnis des Juventis-Chores. Dessen Ausgeglichenheit war bis auf wenige Stellen genauso faszinierend wie die ätherisch lichten und leichten Höhen der jugendlichen Soprane und auch die Beweglichkeit und das Volumen der tiefen Stimmen. Da brummelte nichts, sondern es wurde immer klar konturiert gesungen. Und die weiten Bögen der Chormelodien wurden gespannt, ohne überspannt zu wirken. Es wurde mit höchster Konzentration gesungen und musiziert, ohne dass man das den Ausführenden anmerken konnte. So konnte aus Tönen Musik entstehen. So konnte diese Wiedergabe von Mozarts grandioser Musik dank der großartigen Ausführenden darin münden, worin alle Musik ihren Ausgangs- und Zielpunkt hat: in wunderbarer Stille.

Von Reinald Hanke