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Celle Stadt Große Kunst mit Platz zum Träumen und Meditieren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Große Kunst mit Platz zum Träumen und Meditieren
18:18 02.01.2014
Der Lichtraum von Otto Piene ist eines der Lieblingswerke von Alexandra Socher im Celler Kunstmuseum. Quelle: Kunstmuseum Celle
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Vorsichtig ziehe ich den Vorhang zur Seite und taste mich langsam ins Dunkel vor. Plötzlich umgeben mich Lichterblumen und bewegte Sterne, ein tanzendes Lichtballett fängt mich und meine Sinne ein. Ich setze mich und verfolge das leise Rauschen, Schaben und Brummen der Motoren, bis mich kurze Abschnitte der Stille überraschen. Wo bin ich hier? In einer konkreten Skulptur, einer Lichtprojektion, fliegend in einer Vision von Kosmos und Sternen? Am Ende des Tanzes ist Dunkelheit und innerlich bin ich ganz bei mir selbst angekommen. Vor meinem inneren Auge ziehen noch einmal die zwei Wände gefüllt mit Linien, Schwüngen und Kreisen vorbei, die dahinter kreisenden Lichtquellen, die wechselnd verschiedene Teile der Lochzeichnung erhellten. Auch die zwei Lichtwürfel aus gerastertem Blech, ausgestattet mit bewegten Leuchtmitteln, ließen die Lichter tanzen und mich zum Mittelpunkt des Geschehens werden.

Wer in Celle zugleich große Kunst und einen Platz zum Träumen oder Meditieren sucht, sollte sich, egal ob Groß oder Klein, auf den Weg ins 24-Stunden-Kunstmuseum machen und den bezaubernden Lichtraum entdecken. Der Künstler Otto Piene, geboren 1928 in Bad Laasphe/Westfalen, ist der international bekannte und vielfach ausgezeichnete Gründer der Künstlergruppe „Zero“. Mit seinen Arbeiten möchte er die Gegenwart erhellen und das Dunkel der Vergangenheit – in Otto Pienes Fall die Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg – überwinden. Insofern kann man sie als Symbole für Frieden und Neubeginn sehen. Die dynamischen, sich verändernden Formen des bewegten Lichtspiels regen an, begeistern und faszinieren. Man verlässt den Raum staunend, erfüllt von Licht und Glück.

Alexandra Socher ist Diplom-Kulturwissenschaftlerin und macht seit 2009 als freie Mitarbeiterin Führungen und Kunstvermittlung für das Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon. Die Ausstellung „Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert“ läuft noch bis zum 30. März. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.

Von Cellesche Zeitung