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Celle Stadt Große Sorgen um Celler Kreis-Finanzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Große Sorgen um Celler Kreis-Finanzen
20:17 11.11.2014
Von Simon Ziegler
Viele Schulen im Kreis Celle sind sanierungsbedürftig. So steckt der Landkreis über mehrere Jahre in die Erneuerung der Oberschule Wathlingen 9,5 Millionen Euro. Die Ausgaben im Schulbereich sind hauptverantwortlich für die hohe Neuverschuldung des Landkreises. Quelle: Alex Sorokin (Archiv)
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Niemand weiß, wie die exorbitant hohe Verschuldung des Landkreises Celle eines Tages abgebaut werden soll. Politik und Verwaltung zeigten sich im Finanzausschuss am Dienstag weitgehend ratlos, wie der Schuldenberg von 176 Millionen Euro reduziert werden könnte. Die Schulden „galoppieren aus dem Rahmen“, sagte Charles Sievers. Angesichts der Neuverschuldung von fast 28 Millionen Euro „fürchte ich um die Belastung der Bürger“, so der FDP-Abgeordnete.

Thema im Gremium waren eigentlich die Eckwerte für den Etat des kommenden Jahres. Doch die Diskussion drehte sich fast ausschließlich um den über Jahre angehäuften Schuldenstand. Sievers regte an, über andere Konzepte nachzudenken. „Vielleicht muss man sich überlegen, bestimmte Objekte wie das Kreisaltenheim in Winsen abzustoßen“, sagte er.

Doch das steht derzeit keineswegs zur Debatte, wie Landrat Klaus Wiswe klarmachte. „Das Kreisaltenheim soll gar kein Minus machen. Wir haben immer gesagt, wenn es uns etwas kostet, werden wir neu darüber nachdenken.“ Tafelsilber zu verkaufen, ist für den Kreis ohnehin schwierig. „Wir haben Schulen und Straßen. Die Zahl der Interessenten ist aber gering“, witzelte Wiswe.

Auch Angela Hohmann (SPD) sprang den Mitarbeitern im Kreisaltenheim zur Seite. „Es ist unmöglich, so eine Forderung aufzustellen“, sagte sie an die Adresse von Sievers.

Albrecht Hoppenstedt (WG) betonte dagegen, dass die Schulden in wirtschaftlich starken Zeiten so stark angewachsen seien. Wie werden die Kreis-Finanzen also erst aussehen, wenn es wirtschaftlich bergab geht? Allein die Personalkosten des Landkreises seien innerhalb von „fünf oder sechs Jahren von 32 auf 42 Millionen Euro gestiegen“, so Hoppenstedt. Dazu kämen neue Herausforderungen durch den Briten-Abzug. „Es nimmt uns keiner die Frage ab, wie wir in Zukunft finanziell weitermachen.“

Die Investitionspolitik des Landkreises wird indes parteiübergreifend akzeptiert. Der Kreis hat auch deshalb so hohe Verbindlichkeiten, weil viele Schulen sanierungsbedürftig sind und auf Ganztagsunterricht umgerüstet werden müssen. Die Investitionen im Schulbereich würden sich rentieren, sagte Rolf Meyer (SPD). Diese Ausgaben seien notwendig, erklärte auch Christian Ehlers (Grüne). „Wir wären nicht gut beraten, die Investitionen in Schulen zu vertagen. Wir zahlen jetzt fast keine Zinsen“, so Landrat Wiswe.

Die Diskussion um die Kreisumlage, also die Abgaben der Kommunen an den Landkreis, spielte nur am Rande eine Rolle. CDU, WG und FDP fordern die Senkung um ein Prozent, die SPD verlangt drei Prozent weniger. Die Grünen wollen, dass die Umlage um mindestens zwei Prozent sinkt, um die Kommunen zu entlasten. Die Verwaltung will Ende des Monats einen eigenen Vorschlag präsentieren. Joachim Müller (CDU) mahnte, dass „eine Balance zwischen Kreis und Gemeinden“ gefunden werden müsse.