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Celle Stadt Gunter Gabriel und Doc Wolf in Celle: Zwei Männer und ihre Gitarren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Gunter Gabriel und Doc Wolf in Celle: Zwei Männer und ihre Gitarren
18:10 16.03.2015
Ohne drei Zugaben ließ das Publikum Gunter Gabriel (rechts) und Doc Wolf nicht von der Bühne.   Quelle: Benjamin Westhoff
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Den Auftakt gibt Heinrich Doc Wolf allein mit „Ghost Riders in the Sky“ von Johnny Cash, um im Anschluss Gunter Gabriel einen angemessenen Auftritt mit ein paar würdigenden Worten zu bereiten. Aber das lässt Freund "Gunnie", wie Doc ihn nur nennt, nicht zu. Er betritt die Bühne vorzeitig: „Komm, hör auf, ich mag dieses Geschwafel nicht.“ Und dann sitzen die beiden da – am Sonntagabend in der CD-Kaserne, vor 200 Zuschauern, jeder eine Gitarre vor sich und erzählen von ihrem gemeinsamen Vorbild, der Country-Legende Johnny Cash, von den Helden auf den Straßen, den LKW-Fahrern, und vom Musikgeschäft im Allgemeinen.

Gabriel lästert ein wenig über alte Weggefährten aus Hitparaden-Zeiten und wenn er auf Frauen zu sprechen kommt, bremst Doc ihn aus: „Gunnie, hör auf, es sind Verwandte im Publikum.“ Ab und an nehmen sie die Gitarren in Betrieb, bei „Ring of Fire“ kocht die Halle natürlich. Wolf spielt oft allein, er ist eigentlich Torfbauer im Kreis Gifhorn, hat aber etliche Stücke für Truck Stop geschrieben und war oft in den US-Country-Charts platziert.

„Ich bin ein Männersänger“, kommentiert Gabriel seine Hits „Dreißig-Tonner-Diesel“ und „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“. Alles, was die beiden auf der Bühne machen, ist völlig unspektakulär. Und dennoch ziehen sie von Beginn an alle in ihren Bann. Sie entfalten große Präsenz auf der Bühne und blättern im Lauf des Auftritts eine Facette nach der anderen auf.

Doc erweist sich mit dem wunderschönen Stück „L’accordeon“ als französischer Chansonnier, der sieben Sprachen spricht, und Gabriel erzählt, dass er mehrere Zeitungen täglich liest – das Feuilleton und den Politikteil – und viel Geld für Bücher ausgibt. Die größte Show dieser beiden Männer ist, dass sie keine Show brauchen. Da sitzen zwei Künstler auf der Bühne, die wirklich etwas zu sagen haben und dazu auch noch sehr gut Musik machen können.

Von Anke Schlicht