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Celle Stadt Häftlinge geschickt im Umgang mit Meißel und Hammer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Häftlinge geschickt im Umgang mit Meißel und Hammer
13:59 11.06.2012
Das Bild zeigt vorne von v.l.n.r. die H‰ftlinge Fred, Jan, Leo (leicht verdeckt) und Benjamin, dazu in weiterer Reihe von links den stellvertr. Anstaltsleiter Peter Oberl‰nderWilfried Nehre, Klaus L¸dtke, Henning Buchhagen und Thomas Aenelt. Quelle: Gert Neumann
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SALINENMOOR. „Steine können nicht reden. Aber ein Versuch, sie dazu zu bringen, lohnt sich trotzdem“, sagt der freischaffende Bildhauer Wilfried Behre aus Hannover. Mit Studenten in China und Vietnam hat Behre schon gearbeitet, mit Häftlingen noch nicht. Diese Erfahrung hat Behre nun gemacht.

Gefangenen-Ausbilder Klaus Lüdtke, Diplom-Ingenieur im Gartenbau, stellte den Kontakt her. „Ohne die hohen Mauern mit Stacheldraht und das nervige Auf und Zu von Türschlössern sehe ich keinen Unterschied zu draußen“, sagt Behre. „Es war eine super Zusammenarbeit mit wissbegierigen Teilnehmern“. In einer Woche hämmerten sie kleine Kunstwerke aus dem Sandstein. Die Minimalforderung, dass die mit Hammer und Meißel zu bearbeitenden Sandsteine sinnvoll in eine Gartenlandschaft integriert werden können, erfüllten alle Teilnehmer in der Freiluftwerkstatt.

Häftling Karl (39) sah im Stein eine Vogeltränke, ließ Öffnungen dem Straßenpflaster gleich auslaufen und integrierte sie ins Muster des Steins. Mike (27) erkannte nicht auf Anhieb die Verwendung als Vogeltränke, zu der das Werk wurde. Manuel (31) zerbrach ein begonnenes Herz. Sein Glück, denn so wurde der Weg frei zur Bärenlandschaft. Youngster Jan (26) schlug ein mit Blättern bekränztes Herz aus dem Stein. Leo (30) sah sofort den in seinen Stein schlummernden Fisch. Ein „Steinbutt“, witzelte Nebenmann Fred (52). Fred schuf als Fan der Inka-Kultur ein Werk aus zwei Steinen. Hände mit Rosenkranz, die ein Herz beschützen als Zeichen für Liebe und Religiosität, dem das Gesicht eines Kriegers als Zeichen der Zerstörung entgegen steht. Benjamin (34) arbeitete als Zeichner und Tätowierer. Nun sucht er Werke der Unvergänglichkeit. Sein Werk „Halb Schlange, halb Drache“ weist in diese Richtung.

Von Gert Neumann