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Celle Stadt Hängen Celler Ärzte am Tropf der Pharma-Industrie?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hängen Celler Ärzte am Tropf der Pharma-Industrie?
13:59 20.07.2016
Wer auf correctiv.org/euros Celle eingibt, erhält eine Liste mit 28 Einträgen. Bei der Ärztekammer Niedersachsen sind an diesem Dienstort jedoch 468 Ärzte gemeldet.
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Insgesamt sind bei der Ärztekammer Niedersachsen am Dienstort Celle 468 Ärzte gemeldet. Taucht ein Mediziner nicht in der Liste auf, kann das entweder bedeuten, dass er kein Geld angenommen hat, oder dass er seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Ebenso könnte es sein, dass bestimmte Geldgeber in der Datenbank für einzelne Empfänger fehlen. Im Schnitt flossen aus dem Topf der FSA rund 1.646 Euro an jeden der bundesweit 71.000 Ärzte, von denen weniger als ein Drittel genannt werden möchte.

Das AKH führt die Celler Liste mit 10.575 Euro an. Dort arbeiten allein 230 Mediziner. Einsehbar ist auch, wofür die Ärzte und Einrichtungen Geld erhalten haben. Im Krankenhaus gibt es feste Regelungen für das Sponsoring von Fortbildungsveranstaltungen. So werden Leistung und Gegenleistung transparent in einem Vertrag festgehalten. „Damit werden zum Beispiel Honorare für Referenten, Raummieten und die Werbung für die Veranstaltung mitfinanziert. Im Gegenzug erhalten die Firmen Gelegenheit, für sich zu werben“, erläutert Robert Berrisch vom AKH.

Drei Neurologen und ein Kinderarzt des AKH sind noch einmal extra aufgeführt, denn auch für die Mitarbeiter gibt es verbindliche Regeln. So darf nach dem Trennungsprinzip die Annahme von Leistungen in keinem Fall im Zusammenhang mit Umsatzgeschäften stehen. „Vor jeder Annahme, Verwendung von entsprechenden Zuwendungen muss zudem eine Genehmigung eingeholt werden“, so Berrisch. Der gesamte Vorgang müsse dokumentiert werden und die Zuwendungen müssten angemessen für die erbrachte Leistung sein.

Bei den niedergelassen Ärzten in Celle liegt Kardiologe Ralf Aring ganz vorne mit 6482 Euro. „Ich habe nichts zu verbergen“, betont der Facharzt. Die Zahlungen habe er für Fortbildungen von Kollegen erhalten, um sie über neue Behandlungsmethoden zu unterrichten. „Das sind keine Bestechungsgelder, sondern Beträge, für die ich in meiner Freizeit Leistungen erbracht habe“, erklärt Aring, der Sprecher für die Kassenärztliche Vereinigung in Celle ist. Er schätzt, dass es eine hohe Dunkelziffer an Ärzten gibt, die nicht in der Datenbank erscheinen wollen.

Torsten Wieden ist Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Celle und hat 5053 Euro erhalten. „Das war nicht für die Verordnung von Arzneimittel, sondern die Gegenleistung für meine Vorträge zur Weiterbildung von Kollegen“, erläutert Wieden, der auch Vorsitzender des Fachverbandes für die spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung Niedersachsen ist. Er betont: „Gute Referenten kosten Geld. Man findet keinen, der das auf eigene Kosten macht.“

Kardiologe Andreas Gaede vom Herz- und Gefäßzentrum am Neumarkt kommt auf 1290 Euro. Die Vergütung hat er wie sein Kollegen Uwe Klotz von der Berlin-Chemie AG für den Aufbau des Online-Portals Therakey.de bekommen, das Patienten und deren Angehörigen bei der Therapie unterstützt. „Mit der Aufwendung habe ich mich nicht persönlich bereichert, sondern diese für einen wohltätigen Zweck gespendet.“

Alle Infos unter correctiv.org/euros

Von Dagny Rößler