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Celle Stadt Hängepartie beim Ausbau: Feuerwehr fürchtet Stau am Celler Nordwall
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hängepartie beim Ausbau: Feuerwehr fürchtet Stau am Celler Nordwall
17:45 24.01.2014
Von Michael Ende
Kellerbrand im Nordwall im Oktober 2012: Hier kam die Feuerwehr rechtzeitig durch. Die Angst vorm Stau zur Unzeit bleibt. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Eigentlich hätten längst die ersten Häuser auf der Nordseite des Nordwalls im Vorfeld des Ausbaus der Straße abgerissen sein sollen. Anfang 2012 hatte Stadtbaurat Matthias Hardinghaus angekündigt, dass in Kürze die Abrissbagger rollen sollten. Wie allzu oft bei derlei Ankündigungen blieb es bei Worten. Was weg ist, ist der Stadtbaurat. Die Häuser stehen noch – wie überhaupt alles still steht. Ursprünglich wollte man 2014 oder 2015 mit dem gegenläufigen Ausbau des Nordwalls beginnen. Heute weiß niemand so recht, ob und wie es weitergehen soll. Zumindest in diesem Jahr dürfte sich auch angesichts zusammengestrichener Fördermittel des Landes nichts tun.

Einer, der das nicht nur ärgerlich findet, sondern es auch als eine Gefahr für die Altstadt einstuft, ist Bernd Müller, Ortsbrandmeister der Hauptwache der Celler Feuerwehr. Vor einem Jahr haben die Brandschützer ihre neue Hauptwache am Herzog-Ernst-Ring bezogen. Die Erfahrung hätte gezeigt, dass der Standort verkehrlich gut angebunden sei – bis auf eine gravierende Ausnahme, so Müller: „Problematisch ist weiterhin der Bereich Nordwall. Durch den dort aufstauenden Verkehr ist in der engen Straße ein Durchkommen mit den Einsatzfahrzeugen sehr schwer. Daher drängt die Feuerwehr auf einen schnellen zweispurigen Ausbau - hilfsweise ist es wünschenswert, wenn die Stadt zumindest durch den Abriss der aufgekauften Häuser Platz zum Ausweichen schaffen würde.“

Die Situation im Nordwall habe sich inzwischen so verschärft, dass man die Verwaltung gebeten habe, eine „Notfallschiene“ zu schaffen, indem man die Nordwall-Parkplätze streiche und sie für Einsatz-Fahrzeuge freihalte, so Müller: „Die Verwaltung hat zugesagt, diese Option prüfen zu wollen – aber wenn die Stadt das sagt, kann das ewig dauern, bis etwas passiert. Oder es passiert wie gehabt gar nichts.“

Jens Hanssen, im Rathaus Fachbereichsleiter für öffentliche Einrichtungen, wäre gerne schon viel weiter – schließlich gebe es die Verkehrs-Ring-Planung für die City, bei der der Nordwall eine Schlüsselposition sei, schon seit einem Jahrzehnt. 2004 hätten sich die Celler in einem Bürgerentscheid hinter das Ringe-Konzept gestellt, so Hanssen: „An das klare Bürger-Votum will sich der Eine oder Andere heute nicht mehr erinnern. Der Grundsatzbeschluss, den Nordwall gegenläufig auszubauen und einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen, wurde 2009 gefällt.“ Diesen Beschluss hätten „verkehrspolitische Laien“ seitdem immer wieder unterminiert: „Es macht halt Spaß, gegen so ein Großprojekt zu kämpfen.“ So habe zum Beispiel sogar der ehemalige OB Martin Biermann die Breite des Nordwalls mit dem Zollstock vermessen und danach gesagt, ein Ausbau sei auch im Bestand und ohne Abrisse möglich, so Hanssen: „Aber das würde keine nennenswerte Aufwertung der Verkehrsqualität ergeben, die Voraussetzung für eine Großinvestition ist.“

Hanssen wünscht sich von der Politik einen klaren Kurs: „Was kurzfristig diskutiert werden muss und wo die Politik ein Signal geben muss, ist, wie der Verkehr in der Stadt nun geführt werden soll.“ Immer wieder werde auch die Frage aufgeworfen, ob die Schuhstraße nicht wieder zur Fußgängerzone werden solle, so Hanssen: „Das wäre auch denkbar – aber ist das gewollt? Wir befinden uns in einem Schwebezustand.“ Das falle auch andernorts auf: „Irgendwann wird uns das Land fragen: Wollt Ihr denn überhaupt mal bauen?“ Förderfähig sei das Nordwall-Projekt, so Hanssen: „Fest steht aber, dass wir 2014 nicht bauen – vielleicht auch 2015 nicht. Aber danach müsste man losbauen – sonst kann man den Deckel zuklappen.“

Hanssen weiß, dass das Ring-System, das „ohne Navi begreifbar“ sei, Basis für alle verkehrspolitischen Diskussionen ist. Er warnt vor Stillstand: „Das Herumdrücken um unangenehme Entscheidungen bringt uns nicht weiter.“ Müller ist frustriert: „In Sachen Nordwall ist alles längst beschlossen – und jetzt kommen einzelne Politiker auf den Dreh, alles wieder aufrollen zu wollen. So kommen wir nie weiter. Da kann man manchmal wirklich nur mit dem Kopf schütteln.“