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Celle Stadt Härtefall: Mutter Opfer von Celler JVA-Schließung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Härtefall: Mutter Opfer von Celler JVA-Schließung
20:46 28.11.2014
Von Michael Ende
 Sarah Feldmann besteht darauf: „Der zukünftige Arbeitsplatz kann nur JVA Celle heißen.“ Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Als ob sie sich auf der sinkenden „Titanic“ befinde – so fühlt sich Sarah Feldmann, seitdem sie von den Schließungsplänen des Landes für die JVA Salinenmoor erfuhr. Der Unterschied zwischen dem Schiff und der JVA sei, dass es auf der Titanic „Frauen und Kinder zuerst“ geheißen habe, als es um Plätze in den Rettungsbooten gegangen sei. Feldmann gehört zu denen, die beim großen „Wünsch Dir was“ durch das Raster gefallen seien. Die Cellerin muss jetzt jeden Tag 200 Kilometer zur Arbeit hin- und zurückfahren.

Als Feldmann im Dezember 2011 ihre Arbeit in der JVA Celle aufnahm, freute sie sich auf einen sicheren Job. Die Ausbildung zur Justizvollzugsbeamtin absolvierte sie mit viel Elan. Ihre Kinder waren damals vier und sechs Jahre alt: „Alles lief bestens, auch und nur mit guter Unterstützung des Vaters der Kinder und der Familie, die die Betreuungszeiten während des Schichtdienstes aufgefangen haben.“ Die JVA Celle versicherte, dass eine Übernahme außer Frage stehe.

So gab die Nachricht von der Schließung Salinenmoors zunächst keinen Anlass zur Sorge - jedenfalls nicht für eine alleinerziehende Mutter mit nunmehr zwei grundschulpflichtigen Kindern im Alter von mittlerweile sieben und neun Jahren. Feldmann: „Dass es für die betroffenen Anwärter keinen Sozialplan geben würde, war nicht abzusehen.“ Zwar habe man der Anwärter-Vertreterin signalisiert „Wir werden eine Lösung finden“ - aber das war nicht der Fall. Man habe ihr nur „unzumutbare“ Einsatzorte angeboten, so Feldmann, die sich an ihr verzweifeltes Bemühen um eine heimatnahe Verwendung mitten im Stress vor der Abschlussprüfung erinnert: „Und das mit zwei Kindern...“

Die sehr gut bestandene Prüfung sei dann Anlass zur Freude gewesen – doch die währte nur kurz. Die Urkunde sollte Feldmann in Hameln bekommen, was gleichzeitig bedeutete, dass die Anstalt dort fortan ihr zukünftiger Arbeitsplatz sein würde: „Als ich mich nicht damit einverstanden erklärte, wurde mir gesagt, dass ich genau zwei Möglichkeiten hätte: Die Urkunde in Hameln in Empfang zu nehmen und fortan Bedienstete der JVA Hameln zu sein oder keine Urkunde zu erhalten, arbeitslos zu sein und die Anwärtersonderzuschläge in Höhe von 12.000 Euro zurückzuzahlen.“ Man hatte Feldmann ein Angebot gemacht, das sie nicht ausschlagen konnte. „Seitdem ist mein Einsatzort Hameln, und ich fahre jeden Tag 100 Kilometer hin und 100 Kilometer zurück. Für die Frühschicht bedeutet das um 4 Uhr aufzustehen, um dann um 6 Uhr den Dienst beginnen zu können.“

Das könne und dürfe nicht das Endergebnis sein, findet Feldmann: „Es besteht dringender Handlungsbedarf. Ein Land, das sich stets auf die Fahnen schreibt, familienfreundlich zu agieren, muss zu seinen Worten stehen und denen auch Taten folgen lassen. Der zukünftige Arbeitsplatz kann nur JVA Celle heißen.“
Härtefälle nächste Woche Thema im Landtag
Der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch macht sich für Feldmann stark: „Nachdem auf politischen Druck der CDU/FDP-Opposition im Landtag für die meisten Bediensteten der JVA Salinenmoor eine sozialverträgliche Lösung gefunden wurde, kämpfe ich seit Wochen für eine akzeptable Lösung der verbliebenen Härtefälle.“ Feldmanns Fall liege ihm besonders am Herzen: „Es kann nicht angehen, dass junge Mütter mit kleinen Kindern im Zuge der Schließung der JVA unverhältnismäßig lange Fahrtwege zu ihrer Arbeitsstätte auf sich nehmen müssen. Gerade der öffentliche Dienst hat in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine ganz besondere Vorreiterrolle.“
Bisherige Gespräche mit dem Justizministerium seien leider „wenig zielführend“ gewesen, sagt Adasch: „Vor allem an Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz habe ich die Erwartung, dass sie ihren Zusagen von sozialverträglichen Anschlussverwendungen nun auch in diesen beiden konkreten Fällen Taten folgen lässt.“ Die CDU-Landtagsfraktion werde am Dienstag einen entsprechenden Entschließungsantrag zur Abstimmung stellen.