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Celle Stadt "Haifisch im Netz": Junges Schlosstheater Celle thematisiert Cybermobbing
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Haifisch im Netz": Junges Schlosstheater Celle thematisiert Cybermobbing
17:51 09.10.2016
Bei der Visualisierung haben Sonja Elena Schroeder, Max Mund und Sarah Pertermann gute Arbeit geleistet. Sie haben das Verhalten der Jugenlichen im Internet illustriert (von links): Gintas Jocius als "Frank", Irene Benedict als "Karin", Josephine Raschke als "Chris" und Christoph Schulenberger als "Robert". Quelle: Sarah Pertermann
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Auf die „Likes“ kommt es an – zumindest für die, die sich im sozialen Netzwerk bewegen. Facebook, Youtube, WhatsApp: Die Kommunikation ist digitalisiert. Auch die Jugendlichen Chris, Karin, Roland und Frank sind permanent miteinander vernetzt – egal ob es Höchstpersönliches betrifft oder den Chat mit der Klasse. Die Gelegenheit, ein dickes „Gefällt mir“ zu vergeben – quasi im Selbstversuch – hatten am Freitag die Zuschauer in der Halle 19 bei der Premiere von „Haifisch im Netz“ des Jungen Schlosstheaters Celle.

Frank (Gintas Jocius) und Roland (Christoph Schulenberger) sind „best Buddies“ – echte Kumpel, die nicht nur mit ihren Freunden abhängen, sondern auch jede Menge Blödsinn inszenieren, um die dröge Schulzeit zu überstehen. Dabei ist Rolands Mutter (Tanja Kübler) sogar ihre Lehrerin. Die hat allerdings eigene Probleme und die Klasse eher schlecht als recht im Griff. Dafür bringen die Mädchen Chris (Josephine Raschke) und Karin (Irene Benedict) den Hormonhaushalt der Jungs ganz schön durcheinander. Alles könnte so schön sein – oder zumindest wie immer – wenn nicht ausgerechnet Rolands unbeholfenes Gestammel an Karin, während einer Party, heimlich gefilmt und ins Netz gestellt worden wäre.

Das persönliche Statement wird zur Lachnummer der Community und verbreitet sich in Windeseile. „Was im Netz ist, bleibt im Netz“. Da helfen auch Löschungsversuche nichts. Witzig finden das nur die anderen. Wer die Sequenz ins Netz gestellt hat? Keiner will es gewesen sein, keiner fühlt sich verantwortlich. Für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen, selbst wenn es nur ein Klick ist – das ist das große Thema des Stücks, in dem es um Cybermobbing geht und damit um die Abhängigkeit und den Missbrauch von Möglichkeiten des Internets.

Denn die Geschichte endet nicht mit der Vorführung Rolands. Das Filmchen motiviert zu immer krasseren Kommentaren. Menschliche Wölfe haben Blut geleckt, wittern das leichte Opfer, hacken sich in Rolands Account, übernehmen die Kontrolle über die angebliche Kommunikation, täuschen und lenken auf falsche Fährten. Die Jagd ist eröffnet, die Täter nicht auszumachen, das Opfer wehr- und hilflos. Beteuerungen, dass all das längst nicht mehr aus seiner Feder kommt, bleiben ungehört und werden nicht geglaubt. Zu überzeugend scheint das, was das Netz freigibt und in Umlauf bringt. Selbst Frank sagt sich von seinem Freund los – aufgehetzt von „Hobbyfilmerin“ Chris, seiner Flamme. Und der auf Eis gestellte, einsame Bär reitet sich zwischen Wut und Ohnmacht selbst immer weiter ins Chaos, aus dem auch die Mutter ihn nicht mehr befreien kann.

Die begleitenden Videos im Stück illustrieren deutlich auch das, was nicht gesagt wird. Regisseurin Aline Bosselmann und Dramaturgin Mona vom Dahl ist es gelungen, eine realitätsnahe, nachvollziehbare Vernetzung zwischen digitaler und tatsächlicher Kommunikation und deren Auswirkungen zu schaffen.

Von Doris Hennies