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Celle Stadt Hannes Wader präsentiert sich in Celle kämpferisch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hannes Wader präsentiert sich in Celle kämpferisch
18:23 10.02.2014
Von Andreas Babel
Hannes Wader bestritt sein Konzert in der CD-Kaserne aufrecht und mit eigener Gitarren-Begleitung. Quelle: Benjamin Westhoff
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Alleine schon die Geschichte vom Widerstandskämpfer Peter Gingold (1916 bis 2006) zu hören, hat den Besuch des Konzerts von Hannes Wader gelohnt. Der große deutsche Liedermacher präsentierte sich – am Rande der Heiserkeit – am Sonntagabend in der ausverkauften großen Halle der Celler CD-Kaserne als einer der letzten aufrechten Kämpfer für eine gerechte Sache.

Doch der 71-Jährige ist nicht nur der linke Anti-Militarist und Streiter für die Entrechteten und Armen dieser Erde, sondern auch der genaue Naturbeobachter, der es versteht, die raue Küstenlandschaft in herrlichen Wortbildern vor dem geistigen Auge des Zuhörers nachzuzeichnen. Und schließlich fehlte auch die selbstironische Note nicht, als er „Mein Lied vom Tod“ anstimmte oder ganz zum Schluss zwei Schnulzen von Dean Martin und Roger Miller darbrachte, wobei er verriet, dass er mit 15 Jahren eigentlich Schlagersänger werden wollte.

Doch zunächst zu dem, was man am Sonntag lernen konnte: Hannes Wader begegnete dem deutschen Widerstandskämpfer Peter Gingold kurz vor dessen Tod noch persönlich. „Ende der 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts floh Peter Gingold mit seiner deutsch-jüdischen Familie vor den Nazis von Frankfurt nach Paris. Als Frankreich von den Deutschen besetzt wurde, war Gingold im Widerstand in der deutschen Sektion der Resistance tätig“, erzählt Wader.

Als die Gestapo ihn gefangen nahm und ihn folterte, um in Verhören Informationen aus ihm herauszupressen, blieb Gingold standhaft und verriet keinen seiner Resistance-Mitstreiter. Er entkam der Gestapo mit einem Trick: Unter dem Vorwand, sie zu einem Resistance-Treffpunkt zu führen, von dem er nur die ungefähre Lage kannte, kam er mit den NS-Schergen auch in den Boulevard St. Martin. Dort sah er die Tür des Hauses Nummer 11 offen stehen, durch die er entkam. Seine Widerstandskameraden pflegten ihn gesund. „Er war bis zuletzt ein unbeugsamer Kämpfer gegen Rassismus und Neofaschismus und für den Weltfrieden“, sagte Wader.

Gleiches, nur mit einer anderen Ausrichtung bescheinigte der deutsche Sänger dem Amerikaner Pete Seeger, der 94-jährig vor etwas über zwei Wochen in New York gestorben ist. „Er war ein Kämpfer für Arme und Entrechtete. Er hat bis zuletzt mit seinem Banjo auf der Bühne gestanden“, weiß Wader. Ihm zu Ehren sang er Seegers Lied „Sag mir, wo die Blumen sind“.

Und dann erlebte Celle noch die Premiere eines neuen Liedes mit Celler Bezug mit: Wader ist nämlich seit ungefähr 40 Jahren mit dem Dichter Manfred Hausin befreundet. Den gebürtiger Celler bezeichnet der Sänger als „Stimme Niedersachsens“. Bei einem seiner Besuche habe dieser ihn bedrängt, doch endlich eines seiner Gedichte zu vertonen. Und das hat Hannes Wader nun endlich getan: „Dass wir so lang leben dürfen“ ist durchaus gelungen – was auch fürs ganze Konzert gilt.