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Celle Stadt Hannes Wader singt in Celle gegen Rechts
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hannes Wader singt in Celle gegen Rechts
08:08 25.04.2016
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Viele waren gekommen, um den Altmeister aus der Zunft der Liedermache zu sehen und zu hören. Pur, nur er und eine Gitarre, traf er im großen Saal der CD-Kaserne auf Menschen, die er und seine Lieder schon seit Jahrzehnten begeistern.

Älter mag er geworden sein und doch steht er noch immer wie ein knorriger Baum, trotz Gegenwind und Wetter, mag sich beugen aber nie entwurzeln. Mit ungebrochenem Willen, legt Wader in seinen alten und neuen Liedern den Finger auf die Wunden der Gesellschaft, sagt, was er zu sagen hat. Eine innere Unruhe mag ihn treiben. „Heute hier, morgen dort“ mag auch deshalb sein Einstandslied geworden sein – und das Publikum feiert. Drum herum macht er keine langen Worte, da lässt er lieber seine Texte sprechen. So ein bisschen Einführung gibt es aber doch, von Reiseerlebnissen vielerlei Art: Von grauenvollen Absteigen wie „das Hotel zur langen Dämmerung“, von Vorstellungen, die man noch nicht realisiert hat, aber davon träumt, wie im "Griechischen Lied“ – oder vom „Folksingers Rest“ im irischen Pub bei Guinness und mit Gleichgesinnten.

Wader singt vom Freisein, vom Weg, den man geht, vielleicht gehen muss. Oft ist auch ein ehrlicher Blick auf sich selbst dabei, wie in „Krebsgang“, in dem er vom Gefühl der Unsicherheit und Verletzlichkeit erzählt, das zu einem Panzer und einer quer- und seitwärts gerichteten Bewegung führt. Vom Ort und dem Weg zum Liedermacher aus der Arbeiterreihe, „Wo ich herkomme“, fühlt er sich geprägt. Er hat daraus einen sehr denkanstößigen Talking-Blues gemacht. Und der Blick ins Gesicht eines gealterten Straßenmusikanten hält ihm einen möglichen Spiegel vor.

Das politische Statement steht dem streitbaren Barden immer noch gut. In „Traumtänzer“ fragt er nach Recht und Täter und träumt von einem Krater in den all die Waffen ganz freiwillig geworfen werden. Zur Feier des demokratischen Gedankens singt er das Bürgerlied (1845 entstanden) von Adalbert Harnisch „Ob wir rote, gelbe Kragen, Hüte oder Helme tragen" und macht sich in „Trotz alledem“ über Missstände und Prognosen unseres Planeten Gedanken. Und seine Fans – an diesem Abend füllen sie den großen Saal und singen immer wieder mit: „Die Gedanken sind frei“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ oder auf Plattdeutsch: „Dat du min leevsten büst."

Von Doris Hennies