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Celle Stadt Hannover will Wolfsanhänger anschaffen - auch für Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hannover will Wolfsanhänger anschaffen - auch für Celle
18:13 06.04.2016
Celle Stadt

„Das kann nur ein verspäteter Aprilscherz sein“. Das war die Reaktion von Celles Kreisjägermeister Hans Knoop auf die Nachricht, dass die Region Hannover die Anschaffung eines Wolfstransporter plant. Das Vehikel, ein Anhänger für rund 10.000 Euro, soll den Nachbarlandkreisen, also auch Celle, im Bedarfsfall zur Verfügung stehen. Der Bedarfsfall, das bedeutet, dass ein Wolf angefahren wurde und an der Unfallstelle liegen bleibt.

Der Anhänger soll tierschutzgerecht aufgebaut und ausgestattet sein, hat eine wildtiersichere Innenwandgestaltung, bietet Platz für bis zu vier Wildtieren oder Hybriden, die verwahrt werden müssen und hat eine hintere Box, die für die Versorgung eines verletzten Tieres ausgelegt ist, so dass es auch über mehrere Tage in dem Anhänger behandelt werden kann. Sie ist weiterhin abteilbar. „Dieser Rettungsanhänger könnte im Norden der Region stehen und so im Heidekreis, Kreis Nienburg und Celle (Wolfsgebiete) zum Einsatz kommen“, heißt es in einer Vorlage.

Für den Celler Kreisjägermeister ist diese Idee rausgeschmissenes Geld. „Diese Anschaffung wäre eine, die mit der Realität sehr wenig zu tun hätte“, sagt Knoop. Ein Wolf, der so schwer verletzt sei, dass er einen Unfallort nicht mehr verlassen könne, sei nicht mehr zu retten. „Das wird auch jeder Tierarzt bestätigen“, so Knoop.

Und selbst in dem völlig unwahrscheinlich Fall, dass ein Tier noch behandlungsfähig sei, „müsste der Wolf die ganze Zeit sediert bleiben, denn es ist ein Wildtier. Am Ende würde es an Herz-Kreislauf-Versagen sterben und das kann doch nicht wirklich unser Ziel in Bezug auf Tierschutz sein“, so Knoop.

Ein Regionssprecher verweist darauf, dass das eine Idee der Parteien SPD, Grüne und CDU im Regionsparlament war. Allerdings befürwortet die Verwaltung auch eine solche Anschaffung und verweist auf positive Stellungnahmen von Wolfsberatern. Benötigt wurde so ein Vehiklel aber bis nicht. Der für Wölfe zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz teilte mit, dass es in Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren nicht einen Fall gegeben habe, bei dem ein Wolf bei einem Unfall verletzt wurde und wieder gesund gepflegt wurde.

Immerhin sieht die Region derzeit keinen Anlass, auch einen Rehtransporter anzuschaffen, die ja häufiger in Unfälle verwickelt sind. Rehe, so erklärte der Sprecher, unterliegen schließlich dem Jagdrecht.

Meinung: Verschwendung von Steuergeldern

Bei der Region Hannover hat die Politik offenbar ziemlich wenig Ahnung zum Thema Wolf – anders darf man die Anschaffung des Anhängers wohl nicht interpretieren. Auch der Vorschlag, den Hänger dann im Ernstfall an Celle zu verleihen, fällt wohl eher in die Kategorie „Schnapsidee“. Bis so ein Hänger in Hannover aus der Garage geholt ist, ist ein Wolf ja schon dreimal verendet, wenn er am Unfallort liegen bleibt. Sollte das wirklich beschlossen werden, wären es 10.000 Euro verschwendetes Steuergeld. Der Fall zeigt, dass es mehr Realitätssinn auch im Umgang mit einem geschützten Tier braucht. Statt einer aufwendigen Entscheidungskette, die dafür sorgt, dass ein schwer verletztes Tier noch länger als nötig gequält wird, sollte ein Wolfsberater vor Ort entscheiden können, wie es weiter geht. Einen Anhänger braucht man für Tiere, die nach einem Unfall nicht mehr flüchten können, eigentlich nicht mehr. Höchstens zum Abtransport des Kadavers.

Von Tore Harmening