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Celle Stadt "Haus der Familie" in Celle feiert 30. Geburtstag
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Haus der Familie" in Celle feiert 30. Geburtstag
16:05 08.09.2017
Von Dagny Siebke
Ein Drittel der Personen, die in der Kindheit Gewalt erlebt haben, gibt diese weiter. Quelle: Michael Schäfer
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Von Anfang an arbeitet Sieglinde Wittmann im Haus der Familie. „Als ich angefangen habe, wurde unser offenes Konzept mit sehr viel Skepsis betrachtet“, erzählt die Sozialpädagogin, bei der sich Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) und Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) am Donnerstag besonders bedankten. Doch mehrere Arbeitsbereiche unter einem Dach haben sich im Laufe der Jahre bewährt.

„Zu uns kommen Frauen wie du und ich“, betont Wittmann. „Es ist jede Altersgruppe vertreten.“ Die jüngsten Frauen seien 18, die älteste Ratsuchende war 86 Jahre alt. „Oft fängt es mit der Schwangerschaft an“, so die Expertin. Dann würden die Frauen ökonomisch abhängig von ihrem Partner. Zudem verändere sich die Zuneigung.

Um so früh wie möglich eingreifen zu können, kam 1990 die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung hinzu. 2016 wurden 148 Schwangerschaftskonfliktberatungen und 56 Schwangerenberatungen in Anspruch genommen sowie eine Beratung zur Pränataldiagnostik.

Es gebe viele verschiedene Formen häuslicher Gewalt, erläutert Wittmann. „Es geht nicht nur um körperliche Gewalt. Wenn jemand jeden Tag zu dir sagt, dass du saublöd bist und gar nichts kannst, macht das etwas mit deinem Selbstwertgefühl.“ Bei einem weiteren Fall wurde die Partnerin häufig in der Garage eingeschlossen. Aus Erfahrung weiß Wittmann, dass die Frauen oft die Schuld bei sich selbst suchen.

Der oberste Leitsatz im Haus der Familie heiße „Die Gewalt muss aufhören“, sagt Wittmann. Ein „Meilenstein“ für die Sozialpädagoginnen war das Gewaltschutzgesetz. Seit 2006 existiert die Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (kurz BISS). 2016 erhielten die Mitarbeiterinnnen 316 Einsatzprotokolle der Polizei. Daraufhin versucht die BISS Kontakt zu den Gewaltopfern aufzunehmen, um sie rechtlich zu beraten. So gibt es die Möglichkeiten der Wohnungszuweisung oder des Kontakt- und Näherungsverbots.

Neueste Errungenschaft gegen häusliche Gewalt in Celle ist das Netzwerk „ProBeweis“. Seit zwei Jahren werden im AKH Verletzungen erst einmal dokumentiert werden, ohne dass Frauen gleich eine Anzeige stellen müssen. Drei Jahre lang werden die Daten unter dem Siegel der Verschwiegenheit gesichert. Nur die Frauen entscheiden, was damit passiert.