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Celle Stadt Heidemarie Dehnbostel überlebte Celler Luftangriff von 1945
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Heidemarie Dehnbostel überlebte Celler Luftangriff von 1945
17:53 07.04.2016
Celle Stadt

Bei ihrer Mutter Elfriede Alder setzten am 8. April 1945 die Wehen ein. Ihr Mann Heinrich war Soldat und zu der Zeit im Krieg. Alder rief ihren Vater, Dehnbostels Großvater, der die Schwangere mit einem Rollstuhl in das ehemalige St.-Josef-Stift bringen sollte.

Der Weg führte Vater und Tochter auch durch die Bahnunterführung in der Neustadt. Kurz bevor sie dieses Nadelöhr erreichten, begannen die Sirenen zu heulen. Ein Luftschutzposten hielt die beiden an und befahl ihnen, im Tunnel in Deckung zu gehen. Dehnbostels Großvater widersetzte sich dieser Anweisung – er lief trotz des Fliegeralarms vorbei an der Trift und weiter zum St.-Josef-Stift.

Im selben Moment fielen die Bomben der alliierten Geschwader und zerstörten unter anderem genau jene Unterführung, in der die Schwangere Alder zusammen mit ihrem Vater hätte Schutz suchen sollen, wenn es nach dem Luftschutzposten gegangen wäre. „Ich wäre gar nicht auf der Welt“, meint Dehnbostel. Die Cellerin kam kurz nach Mitternacht am 9. April 1945 auf die Welt.

Die Geschichte über Dehnbostels Geburt ist Gesprächsthema in der Familie: „Mein Onkel Alfred Stammwitz hat mir oft davon erzählt.“ Deshalb kann Dehnbostel die Ereignisse so bildhaft schildern, obwohl sie selbst natürlich keine Erinnerungen hat. Auch nach 71 Jahren hat sich eines bei der Erzählung nicht geändert: „Jedes Mal bin ich ergriffen.“

Von Amelie Thiemann