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Celle Stadt "Heimat shoppen": Einzelhändler beleben Celler Innenstadt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Heimat shoppen": Einzelhändler beleben Celler Innenstadt
12:29 11.09.2017
Von Dagny Siebke
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Von Stunde zu Stunde verlief die Aktion "Heimat shoppen" immer besser. Doch als sich die Sonne am Samstag gegen 13 Uhr endlich blicken ließ, war der Bürgerflohmarkt in Winsen schon fast gelaufen. "Wir sind am Wetter gescheitert" – so lautete das Fazit von Andrea Tanke, Vorsitzende des Gewerbevereins Winsen: "Wir hatten 25 Anmeldungen, aber die meisten sind aufgrund der Regengüsse gar nicht gekommen." Zumindest die Geschäfte aber seien gut besucht gewesen, so Tanke. "Und diejenigen, die ihren Flohmarktstand aufgebaut haben, waren auch zufrieden. Insgesamt aber haben wir uns das Ganze anders vorgestellt."

Auch in Bergen wollten viele Kunden wissen, was hinter der Aktion "Heimat shoppen" steht. Die Geschäftsleute gaben gerne Auskunft und schenkten den Kunden kleine Geschenke - als Dank dafür, dass sie nicht im Internet, sondern vor Ort einkaufen.

Für die Celler Innenstadt zog Projektleiter Rainer Samleit eine positive Bilanz: "Ab 13 Uhr waren wir alle sehr zufrieden. Wir haben unheimlich viele Gespräche geführt. Das bewirkt auch etwas für die Kundenbindung." Schon jetzt ist klar: Die IHK und die "Initiative Celle" wollen die Veranstaltung unbedingt im nächsten Jahr wiederholen. "Mit unseren Aktionen wollen wir das Miteinander ansprechen und den Standort Celle fördern", so Samleit.

Auch die Celler Marktbeschicker waren am Samstag aktiv geworden. An einem Geisterwagen veranschaulichten sie, was an Verpackungsmaterial anfällt, wenn man im Internet bestellt. Als Alternative zu Kartons und Plastik warb der Vorsitzende Rüdiger Korte für den selbst entwickelten und wiederverwendbaren grünen Beutel der Marktbeschicker. Wer sich bei ihnen als „Celler Tütensparer“ outet, bekommt ein paar Cent Rabatt. Um Kunden langfristig zu binden, zähle unbedingt die Persönlichkeit der Händler, so Korte. Persönlich beobachtet er auf dem Wochenmarkt, dass wieder mehr jüngere Besucher kommen.

Ahmad Fakhro verteilte an seinem Feinkoststand Häppchen mit Frischkäse-Variationen. Neugierige Kunden pickten eingelegte Oliven, Pilze und Pepperoni heraus. „Viele trauen sich nicht, einfach so draufloszukaufen. Was der Bauer nicht kennt, isst er eben nicht“, schmunzelte der 33-Jährige.

Auch Stephan Pieper langte zu. Der Celler schätzt die Präsenz der Marktbeschicker: „Auf dem Wochenmarkt geht es mir auch um das haptische Erlebnis. Hier kann ich gucken und probieren.“ Und auch die Portionsgrößen kann der Kunde hier selbst bestimmen.

Seit einem Jahr steht El-Charif auf dem Celler Wochenmarkt. Das Feinkostgeschäft ist in Hameln zu Hause. Samstags fahren 15 Anhänger des Familienunternehmens zu den Wochenmärkten im Umkreis. In Celle fällt Fakhro mit seinen Häppchen auf, „in Hannover ist es ganz normal“, betonte er. Selbst Stammkunden biete er immer Scheibchen an. „Falls sie noch etwas vergessen haben“, scherzte er. Und ab einem bestimmten Betrag gibt es noch ein Schälchen auf Kosten des Hauses dazu: „Als Bonbon obendrauf.“

Ein Genuss blieb den Cellern auf dem Wochenmarkt bislang verwehrt – eine mobile Espressobar. Lea Richter betreibt solch eine Röstlaube seit inzwischen sechs Wochen neben Karstadt. Seit Mai, so sagt sie, sei sie wegen des Martstandes mit der Stadtverwaltung im Gespräch, eine Einigung aber stehe nach wie vor aus. Deshalb steht Richter jetzt eben in der Fußgängerzone. Und Kundin Marion Salk schwärmte am Samstag vom Kaffee: „Ich finde es très chic, dass ich ihn aus einer Keramiktasse trinken kann und mich nicht extra hinsetzen muss. Wenn ich einkaufen gehe, will ich mich nicht nur in Geschäften aufhalten, sondern auch einmal draußen“, so die Cellerin. Hier könne sie alte Bekannte wiedertreffen. „Wenn ich fremd sein will, kann ich auch nach Hamburg oder Hannover fahren.“