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Celle Stadt Herr der Celler Ampeln
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Herr der Celler Ampeln
17:43 10.07.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Im Rechenzentrum des Neuen Rathauses blinken Hunderte rote LED-Lämpchen und auch ein paar gelbe. Sie gehören zu den Modems der insgesamt 96 Ampelanlagen in Celle. Ein Modem blinkt anders als alle anderen. Mit einem Blick erfasst Dieter Riechmann den Puls des Querschlägers. "Hier stimmt etwas nicht", sagt der 58-Jährige, der bei der Stadtverwaltung für die Verkehrstechnik zuständig ist. Später wird er noch einmal auf seinen drei Bildschirmen am Schreibtisch nachschauen. Doch nun zeigt er noch das Herz der Celler Ampelzentrale.

Acht Steuerkabel verbinden alle Ampeln mit dem Neuen Rathaus. Manche Adern reichen sternförmig einige Kilometer weit in den letzten Glieder Celles. Hier im Rechenzentrum laufen die Kabel, die daumendick sein können, im obersten Geschoss zusammen. "In anderen Städten befinden sich die Rechner im Keller. Doch in Celle wären sie dort nicht hochwassersicher", erklärt Riechmann. Es gibt noch andere Gefahren, die die Ampeln lahmlegen können. "Vor ein paar Wochen ist ein Blitz in eine Ampel eingeschlagen. Doch die Notstromversorgung hat die Industrierechner geregelt herunter und dann wieder hochgefahren." Riechmann kontrolliert zwar regelmäßig das Rechenzentrum, doch wenn etwas nicht läuft, müssen Spezialisten innerhalb von zwei Stunden da sein, um Fehler zu beheben.

Das Hirn der Celler Ampelzentrale befindet sich ein paar Räume weiter in Riechmanns Büro. Der gelernte Bauingenieur sitzt vor drei Monitoren. Auf einem wird Celles Stadtplan angezeigt und 96 Punkte, von denen nur vier rot leuchten. Ist der Mitarbeiter der Verkehrstechnik heute besonders großzügig mit grünen Wellen? "Nein, dass die Punkte rot leuchten, heißt nur, dass vier Anlagen eine Störung haben", erklärt Riechmann. Zum Beispiel läuft es gerade an der Braunschweiger Heerstraße nicht so rund. "Dort haben wir eine Induktionsschleife eingebaut, um den Verkehr zu messen." Viele verschiedene Programme stehen Riechmann für verschiedene Tageszeiten und Verkehrsbedingungen zur Verfügung.

Seit 2005 steuert Riechmann alle 96 Ampelanlagen von einem Verkehrsrechner aus, um den ÖPNV in Celle zu beschleunigen. Über Telegramme melden sich die Busse automatisch an und wollen Grün auf ihren Strecken. Alle Rot-, Gelb- und Grünphasen sind mehr als sekundengenau aufeinander abgestimmt. Schließlich orientieren sich die Industrierechner an der Uhrzeit der Atomuhr in Braunschweig.

Mit 30 Sekunden Verzögerung zeichnet der Verkehrsrechner auf, wann genau welche Ampel von Rot auf Gelb und Grün umsprang und wie viele Autos die Kreuzung streiften. Das Gedächtnis dient dazu, die Schaltung noch weiter zu optimieren. Besonders die Baustellen beobachtet Riechmann auf den Monitoren genau. So oft es geht, verschafft er sich auch vor Ort einen Überblick. Bei der Verwaltung haben sich schon Rollerfahrer gemeldet, die kein Grün bekamen, weil sie nicht von einer Induktionsschleife erfasst wurden. An der Kreuzung Sägemühlenstraße, Hannoversche Straße hat er neulich die Grünphase für Linksabbieger verlängert. "Wir schalten so viel Grün, wie wir benötigen", so Riechmann. Damit es in der Stadt so wenig Stau wie möglich gibt.

Änderungen seien für ihn immer eine Herausforderung, sagt Riechmann. "Wenn der Nordwall ausgebaut wird, werden wir im gesamten Stadtgebiet umplanen müssen."