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Celle Stadt Herz außer Takt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Herz außer Takt
13:22 07.12.2018
Quelle: Jochen Lübke
Celle

Vorhofflimmern ist mit rund 1,8 Millionen Betroffenen die häufigste Herzrhythmusstörung und eine ernstzunehmende Erkrankung. Denn unbemerkt und unbehandelt kann sie lebensbedrohlich für Herz und Gehirn bis hin zu Herzschwäche und Schlaganfall werden.

Woran merkt man selbst Vorhofflimmern?

Dr. Uwe Klotz: Das Vorhofflimmern kann als kurzzeitiges oder anhaltendes Herzstolpern und Herzrasen wahrgenommen werden. Daneben können Luftnot bei Belastung und Abgeschlagenheit als Ausdruck der aus dem Vorhofflimmern resultierenden Herzschwäche auftreten. Häufig wird das Vorhofflimmern aber auch gar nicht bemerkt und nur zufällig bei Routineuntersuchungen durch eine unregelmäßige Pulsanzeige bei der Blutdruckmessung und im EKG entdeckt.

Wie kann ich selbst den Puls messen bzw. beurteilen? Ist allein ein hoher Puls schon ein Hinweis für Vorhofflimmern?

Dr. Pascal Struckmeier: Der Puls kann an einer Arterie daumenseitig am Handgelenk getastet werden. Wenn man die Herzschläge spürt, zählt man sie über eine Minute und kann so den Puls pro Minute messen. Er liegt normalerweise zwischen 60 und 85 pro Minute. Beim Vorhofflimmern bemerkt man unterschiedliche Abstände zwischen den Herzschlägen. Das Herz schlägt nicht im Takt. Bei einem Vorhofflimmern mit sehr hohen Frequenzen ist die Beurteilung aber schwierig, da nicht jeder Herzschlag einen eindeutigen Pulsschlag zur Folge hat. Auch harmlose Extraschläge bringen den Puls für einen Schlag durcheinander und machen die Abgrenzung zum Vorhofflimmern schwierig. Hier haben auch die Blutdruckgeräte ihre Probleme mit der richtigen Beurteilung. Die definitive Diagnose „Vorhofflimmern“ kann letztendlich nur in einem Ruhe-EKG beim Arzt gesichert werden.

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich plötzlich Vorhofflimmern spüre?

Dr. Ralf Aring: Bei Erstmanifestation eines Vorhofflimmerns sollte ein Arzt aufgesucht werden, zum Beispiel der Hausarzt, außerhalb der Sprechstundenzeiten die ärztliche Notfallpraxis oder Zentrale Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses. Bei bekanntem Vorhofflimmern und fehlenden Hinweisen für eine strukturelle kardiale Erkrankung Einnahme der Herzrhythmusmittel, zum Beispiel Flecainid als sogenannte „pill in the pocket“. Die Antikoagulation/Blutverdünnung richtet sich dabei nach den vorliegenden Risikofaktoren bzw. der Dauer des Vorhofflimmerns. Wenn die Herzfrequenz bei Vorhofflimmern sehr hoch ist, sollte ein Betablocker gegeben werden oder die Betablockerdosis gesteigert werden. Grundsätzlich ist das Vorhofflimmern als Rhythmusstörung vollkommen harmlos, lediglich das Schlaganfallrisiko muss beachtet werden.

Was sind mögliche Komplikationen von Vorhofflimmern?

Prof. Dr. Eberhard Schulz: Vorhofflimmern kann zur Bildung von Blutgerinnseln im linken Vorhofohr führen, die bei einer Verschleppung mit dem Blutstrom einen Schlaganfall auslösen können. Das Risiko dafür ist vom Alter und von Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck abhängig, bei der Mehrzahl der Patienten muss daher eine Blutverdünnung eingeleitet werden um Schlaganfälle zu verhindern.

Wenn das Herz durch Vorhofflimmern über längere Zeit zu schnell schlägt (über 100 Schläge pro Minute in Ruhe), kann sich zudem eine Herzschwäche entwickeln. In diesem Fall sollte versucht werden, den normalen Herzrhythmus wieder herzustellen oder zumindest die Herzfrequenz deutlich zu senken, zum Beispiel mit Betablockern. Dann bestehen gute Aussichten für eine Erholung der Herzfunktion.

Wichtig: Auch wenn viele Menschen ein akutes Auftreten von Vorhofflimmern als sehr bedrohlich empfinden, ist das Risiko daran zu versterben nahezu null.

Wann sollte man bei Vorhofflimmern versuchen, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen?

Schulz: Das hängt im Wesentlichen von den Beschwerden ab. Wenn unter Vorhofflimmern Symptome wie Atemnot, Unwohlsein oder eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit vorliegen, sollte ein Wiederherstellen des normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) angestrebt werden. Allerdings gibt es auch Menschen, die Vorhofflimmern gar nicht bemerken und auch keine Beschwerden hierdurch haben. Dann ist es in aller Regel ausreichend, die Herzfrequenz durch Medikamente wie Betablocker zu senken. Hintergrund ist, dass für das Wiederherstellen des normalen Herzrhythmus bislang kein Überlebensvorteil gezeigt werden konnte. Wichtig: Die Notwendigkeit zur Blutverdünnung ist unabhängig davon, ob man Symptome durch Vorhofflimmern hat oder nicht.

Kann ich trotz Vorhofflimmern Sport treiben?

Aring: Weder ein anfallsweise auftretendes (paroxysmales) noch ein dauerhaft vorhandenes (permanentes) Vorhofflimmern an sich stellen eine Kontraindikation für die sportliche Tätigkeit dar, ganz im Gegenteil, die regelmäßige sportliche Aktivität kann helfen, die meisten dem Vorhofflimmern zugrundeliegenden Krankheiten positiv zu beeinflussen. Allerdings sollte die Herzfrequenz dabei gut kontrolliert sein. Bei einem permanenten Vorhofflimmern und einer Kammerfrequenz von 60-80 Schlägen/Min ist gegen eine leichte sportliche Aktivität nichts einzuwenden. Liegt allerdings eine Tachyarrhythmie vor mit Herzfrequenzen in Ruhe schon deutlich über 100 Schläge /Minute, sollte zunächst erst einmal der Hausarzt oder betreuende Kardiologe konsultiert und die Frequenz besser kontrolliert werden. Die Teilnahme am Sport ist somit nicht von der Rhythmusstörung sondern auch wieder in erster Linie von den zugrundeliegenden Erkrankungen limitiert.

Wie wird eine Katheterverödung (Ablation) bei Vorhofflimmern durchgeführt (gefragt wurden Prozedurdauer, Krankenhausaufenthalt, Vollnarkose)?

Dr. Thomas Uher: Bei der sogenannten Pulmonalvenenisolation (PVI) werden durch einen Hitze-Effekt Narben um die Einmündungen der Lungenvenen im linken Vorhof erzeugt. Diese Narben verhindern die Ausbreitung des Vorhofflimmerns auf die linke und rechte Vorkammer. Der Patient wird während der zwei- bis fünfstündigen Prozedur in einen Tiefschlaf versetzt und bleibt anschließend eine Nacht im Krankenhaus zur Überwachung.

Wie sind die Erfolgsraten einer Ablation und von welchen Faktoren hängen sie ab?

Uher: Die Erfolgsrate der Prozedur liegt bei 70 bis 80 Prozent und ist dann am besten wenn der Herzmuskel möglichst gesund ist und die Vorhofflimmerepisoden kurz sind. Strukturelle Veränderungen wie Herzvergrößerungen, Herzschwäche, Herzklappenveränderungen, Narbenbildungen und lang anhaltende, das heißt über Wochen und Monate kontinuierlich andauernde Vorhofflimmerepisoden, reduzieren den Ablationseffekt auf über 70 Prozent. Häufig muss dann eine zweite Verödungsprozedur durchgeführt werden. Bei ausgeprägten Veränderungen des Herzens mit Zunahme von lungenvenenunabhängigem Vorhofflimmern kann die Pulmonalvenenisolation auch nutzlos sein. Medikamentöse Therapien oder Verödungsverfahren in Kombination mit einer Schrittmacherimplantation sind dann sinnvoller.

Wer sollte bei Vorhofflimmern eine Blutverdünnung erhalten?

Dilschad Murat: Bei Vorhofflimmern wird das Schlaganfallrisiko vor allem durch das Alter und Begleiterkrankungen bestimmt. Dieses wird über einen Score, den sog. „CHA2DS2-VASc-Score“ berechnet. Ab zwei Punkten (zum Beispiel Alter über 65 Jahre und Bluthochdruck), entsprechend etwa zwei Prozent Schlaganfallrisiko pro Jahr, wird eine lebenslange Blutverdünnung empfohlen.

Was kann man im Falle einer akuten Blutung unter Therapie mit Blutverdünnern (zum Beispiel Marcumar, Pradaxa, Xarelto, Eliquis, Lixiana) tun?

Murat: Bei einer leichten Blutung sollte man zunächst das Medikament nicht mehr einnehmen und zeitnah einen Arzt aufsuchen. Mögliche Auslöser der Blutung sollten behandelt werden (z.B. Verödung bei Nasenbluten). Im Falle einer schweren Blutung kann man die Gerinnungsfaktoren im Krankenhaus intravenös ersetzen und dadurch die Blutgerinnung innerhalb von Minuten normalisieren. Für Pradaxa gibt es auch ein Gegenmittel (Antidot) als Therapie, das in den Notaufnahmen der Krankenhäuser verfügbar ist. Das Gegenmittel für Marcumar (Vitamin K) benötigt einige Tage um zu wirken und ist akut daher nicht hilfreich. Für alle anderen neuen Blutverdünner ist die Zulassung eines spezifischen Antidots für 2019 angekündigt.

Für welche Patienten kommt ein Vorhofohrverschluss als Alternative zur Blutverdünnung bei Vorhofflimmern in Frage?

Klotz: Die Blutverdünnung mit Medikamenten ist nicht für alle Patienten geeignet. Insbesondere Patienten, bei denen eine erhöhte Blutungsgefahr besteht – beispielsweise nach Blutungen im Magen- und Darmbereich – muss der dauerhafte Einsatz von Blutverdünnern kritisch gesehen werden. Daneben gibt es (glücklicherweise relativ selten) auch individuelle Unverträglichkeiten gegen die Medikamente. Auch spielt der Patientenwunsch natürlich eine wichtige Rolle. Die Blutverdünnung führt ja immer zu einem allgemein erhöhten Blutungsrisiko, das nicht immer akzeptiert wird. Für all diese Patienten kommt ein interventioneller Vorhofohrverschluss in Betracht. Bei diesem Eingriff wird das linke Vorhofohr, also die Region, in der sich bei Vorhofflimmern am häufigsten Blutgerinnsel bilden, durch ein Schirmchen verschlossen, so dass sich dort keine Gerinnsel mehr bilden können. Eine dauerhafte starke Blutverdünnung ist dann nicht mehr erforderlich. Der Eingriff selbst wird im Herzkatheterlabor vorgenommen. Das Risiko der Prozedur ist gering, üblicherweise müssen die Patienten nur eine Nacht im Krankenhaus verbringen.

Ich muss wegen eines Stents ASS und Clopidogrel einnehmen – schützt dieses auch vor Schlaganfällen durch Vorhofflimmern?

Struckmeier: Untersuchungen haben gezeigt, dass ASS und Clopidogrel, auch in der Kombination, keinen sicheren Schutz vor Schlaganfällen bieten. Einzig Marcumar und die neuen Marcumar-ähnlichen Substanzen (NOAK wie Pradaxa, Xarelto, Eliquis, Lixiana) bieten einen sicheren Schutz. Falls Vorhofflimmern nach einer Stentimplantation auftritt, muss die Therapie von einem Arzt angepasst werden. Üblicherweise wird dann Clopidogrel mit Marcumar oder einem NOAK kombiniert, um die Blutungswahrscheinlichkeit geringer zu halten, als unter einer dreifach Kombination aus ASS, Clopidogrel und Marcumar / NOAK. Dies hat sich als sicher gezeigt, bezüglich der Stentimplantation und dem Schutz vor Schlaganfällen im Rahmen des Vorhofflimmerns.

Von Ralf Leineweber

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