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Celle Stadt Hilfe aus Asien gegen Pflegenotstand
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hilfe aus Asien gegen Pflegenotstand
14:06 06.09.2013
Von Oliver Gatz
Freuen sich auf ihre Ausbildung in Celle (von links): Dung Tran Thi, An Do Quy, Chien Nguyen Van und Luöng Nguyen Thi. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Für die vier Vietnamesen ist es eine Zäsur in ihrem Leben: Luöng Nguyen Thi (23), Dung Tran Thi (23), Chien Nguyen Van (22) und An Do Quy (23) sind im Rahmen eines Pilotprojekts des Bundeswirtschaftsministeriums nach Celle gekommen, um einen Beitrag gegen den Fachkräftemangel in der Altenpflege zu leisten.

Die Asiaten haben bereits in ihrer Heimat als Fachkraft in der Gesundheits- und Krankenpflege gearbeitet. Jetzt werden sie für zwei Jahre an der Berufsbildenden Schule III in der Bahnhofstraße zu examinierten Altenpflegern weiterqualifiziert. Parallel dazu läuft eine praktische Ausbildung am Sophien-Stift. Denn in der stationären Altenpflege haben die Vietnamesen kaum Erfahrung – in ihrem Heimatland gibt es nur wenige Altenheime.

Die Vier freuen sich auf ihre zukünftige Aufgabe. "In Deutschland gibt es bessere Ausbildungsmöglichkeiten als in Vietnam", sagt Luöng Nguyen Thi. Wie auch die anderen möchte sie das Erlernte später einmal in ihrer Heimat anwenden. Dadurch verbessert sich die berufliche Perspektive.

Die vier angehenden Altenpfleger haben sich im Rahmen des Auswahlverfahrens bewusst für Celle entschieden. Erste Eindrücke gewannen sie übers Internet. "Celle ist ruhig und grün", schwärmt Nguyen Thi, die wie ihre Kollegen aus einer ländlichen Region stammt. "Ich möchte die deutsche Kultur kennenlernen und reisen", fügt Chien Nguyen Van hinzu, der verrät, noch nie Schnee gesehen zu haben. Untergebracht sind die jungen Asiaten in zwei Apartments im Sophien-Stift.

Bereits in Vietnam hatte das Quartett an einem sechsmonatigen Deutschkursus teilgenommen. Diese Sprachkenntnisse werden im Rahmen der Ausbildung jetzt weiter vertieft. Für das Auswahlverfahren in Vietnam war die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zuständig. Am Ende schafften von rund 3000 Bewerbern etwa 100 die Prüfung, von denen 24 in Niedersachsen, 32 in Baden-Württemberg, 26 in Bayern und 19 in Berlin zu Altenpflegern ausgebildet werden.

14 Vietnamesen sind in Heimen der deutschlandweit agierenden Benevit-Gruppe untergebracht, zu der auch das Sophien-Stift gehört. Dort sind sie im stationären Bereich Teil eines Teams, haben mit Kollegen zu tun, so dass ihnen bei eventuellen Sprachschwierigkeiten jemand hilfreich zur Seite steht.

Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet, um zu prüfen, ob die Pflegeunterstützung aus Asien tatsächlich funktioniert. Denn es gibt neben Sprachhindernissen auch kulturelle Unterschiede, die im Rahmen eines Trainings abgebaut werden sollen. "Es liegt an uns. Wir sind diejenigen, die die Herausforderung bewältigen müssen", sagt Rüdiger Seide, Leiter des Sophien-Stifts.

Im Kampf gegen den Pflegenotstand sollten zunächst alle Möglichkeiten in Deutschland ausgeschöpft werden, bevor man jungen Menschen aus Europa, China, Indien oder Vietnam eine Chance gibt, lautet der Tenor bei den ambulanten Pflegediensten. Was die Akzeptanz von Ausländern angeht, könnte es im Ausnahmefall zu Problemen mit den Pflegebedürftigen kommen. Die meisten Pflegenden seien aber froh, dass ihnen geholfen werde, heißt es.