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Celle Stadt Hilflos in AKH-Notfallambulanz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hilflos in AKH-Notfallambulanz
15:22 26.04.2013
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Krampfartige Bauchschmerzen plagten Guido Thiemann, als er am 9. April um 16.15 Uhr gemeinsam mit seiner Frau Eva die Notfallambulanz des AKH aufsuchte. Nach etwa zehn Minuten wurde der 54-Jährige zur Blut- und Urinprobe gebeten. „Danach haben wir mit einer Engelsgeduld bis etwa 20.30 Uhr gewartet“, schildert Eva Thiemann die Ereignisse. Da die Schmerzen unerträglich wurden, legte sich ihr Mann hin.

Den Angaben der Bergerin zufolge wurde in der nachfolgenden Stunde lediglich ein EKG geschrieben. „Auf Nachfrage erfuhren wir, dass zu diesem Zeitpunkt in der Abteilung fünf Ärzte beschäftigt waren, wir allerdings mit keinem sprechen konnten. Leider begriffen wir erst um 21.30 Uhr, dass hier keine Hilfe zu erwarten war“, berichtet die 52-Jährige. Die beiden entschieden sich, das AKH zu verlassen. „Dabei wurden wir von niemandem angesprochen“, wundert sich Thiemann.

Übers Internet informierte sich das Paar über eine andere Anlaufstelle: das Vinzenzkrankenhaus in Hannover-Kirchrode. Das suchten die Thiemanns am darauffolgenden Vormittag auf. „Innerhalb kürzester Zeit wurde dort bei meinem Mann ein Darmverschluss diagnostiziert, der kurz vor dem Platzen war. Er wurde daraufhin notoperiert“, berichtet Thiemann. Der Vorgang geht aus Unterlagen des Vinzenzkrankenhauses hervor, die der CZ vorliegen.

Eva Thiemann will den Grund wissen, warum man ihren Mann am AKH nicht behandelt und sie nicht auf dem Laufenden gehalten hat. „Das AKH bekommt Zertifikate für dies und das: Und solche Dinge laufen dann einfach schief“, ärgert sich die Bergerin, die selbst im Krankenhaus in Walsrode arbeitet. „Die Leute wollen Antworten haben, wenn es so lange dauert. Man hätte das anders kommunizieren können.“

Guido Thiemann selbst spricht mit Blick auf seine AKH-Erfahrungen von „einem chaotischen Haufen“. „Die hatten überhaupt keinen Überblick“, kritisiert er. „Da wird man wie Fleisch behandelt – wie in einer Schlachtfabrik.“

Es sei höchst bedauerlich, wenn Patienten so lange warten müssten, räumt der geschäftsführende AKH-Direktor Christoph Schneidewin ein. Aber das lasse sich leider nie ganz vermeiden. Seinen Angaben zufolge werden die Patienten in der Notfallambulanz zunächst von einer Krankenschwester nach ihrem Befinden befragt. Je nach dem Grad ihrer Beschwerden werden sie dann kategorisiert.

„Bei uns arbeiten Ärzte und Krankenschwestern Hand in Hand, um Patienten in einer bedrohlichen Situation schnellstmöglich die richtige Behandlung zukommen zu lassen – und das gelingt uns in den allermeisten Fällen“, verteidigt Schneidewin das Vorgehen an der Celler Klinik. „Wir würden wirklich niemals einen Patienten warten lassen, wenn wir aufgrund der Patientenangaben und Erstuntersuchungen den Eindruck hätten, er befände sich in einer bedrohlichen Situation. Wir sind dabei allerdings auch auf die Angaben des Patienten und seiner Angehörigen sowie die Ergebnisse der Erstuntersuchung angewiesen – nur so können unsere Ärzte und Krankenschwestern die Fälle nach ihrer Dringlichkeit richtig kategorisieren.“

Eva Thiemann ist erleichtert, dass die Entscheidung zum Wechsel der Klinik die richtige war. Ein bösartiger Tumor hatte den Darmverschluss bei ihrem Mann verursacht. Er hat jetzt einen künstlichen Darmausgang und muss weitere Operationen über sich ergehen lassen. Und das soll auch im Vinzenzkrankenhaus geschehen.