Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Himmlisches Vergnügen im Celler Schlosstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Himmlisches Vergnügen im Celler Schlosstheater
21:52 29.03.2015
Überzeugendes Spiel (von links): Josephine Raschke, Felix Meyer und Dirk Böther. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Fast scheint es nämlich so, dass gut gemachte Unterhaltung ein wenig aus der Mode gekommen ist. So gesehen ist die Entscheidung des Schlosstheaters, die Theateradaption des Kay-Pollak-Filmhits in den Spielplan aufzunehmen, als glücklich zu bezeichnen.

Und das nicht zuletzt auch deswegen, weil sich das Schauspielensemble darin ausgesprochen spielfreudig und musikalisch versiert präsentieren kann. Der hörenswerte Chor aus Celler Sängerinnen und Sängern (Einstudierung und musikalische Leitung Andreas Unsicker) ergänzt diesen positiven Eindruck. Mit lustvollem darstellerischen und sängerischen Elan wachsen sie über bloße Statisten in Nebenrollen weit hinaus.

Alice Asper inszeniert „Wie im Himmel“ im unaufdringlichen Bühnenbild von Nora Brügel mit lockerer Hand, humorvoll, ideenreich und mit viel Feingefühl für Zwischentöne. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Stardirigent Daniel Daréus, der nach einem Herzanfall auszieht, um sich selbst zu finden. Seine Karriere gibt er auf und kehrt in sein Heimatdorf zurück. Dort lässt er sich nach einigem Zögern dazu überreden, den Kirchenchor als Leiter zu übernehmen. Mit unkonventionellen Methoden und mit der Gewissheit, dass jeder Mensch seinen eigenen Ton hat, den es zu finden gilt, gelingt es ihm, die verbindende Kraft der Musik in allen Dingen spürbar werden zu lassen. Daneben aber werden auch Sorgen und Nöte, familiäre Gewalt, heuchlerische Frömmelei, Eifersucht, Neugier und Tod deutlich.

Die Rolle des berühmten Dirigenten hat Dirk Böther übernommen. Ohne jegliche Überzeichnung verleiht er ihr sowohl in seiner ansteckenden Musikbegeisterung als auch in seiner introvertierten, fast autistisch wirkenden Lebensfremdheit ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Ein echter Krawallbruder ist Felix Meier als Conny, der auch seine Frau Gabriella mit Gewalttätigkeiten nicht verschont. Josephine Raschke gibt ihr nicht nur klar gezeichnete Konturen, sondern überzeugt auch mit ihrer intonatorisch reinen, angenehm timbrierten Stimme in „Gabriellas Lied“ ohne Einschränkungen.

Eine Aufführung insgesamt, die Herz und Schmerz, Humor, Sentimentalität und inhaltliche Tiefe gekonnt miteinander verbindet. Wie im Himmel.

Von Hartmut Jakubowsky