Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Hindernislauf begeistert tausende Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hindernislauf begeistert tausende Celler
22:10 30.09.2018
Quer parkende Autos sind in Celle eigentlich nichts Ungewöhnliches: Beim "Traffic Jam" mussten die Läufer aber über die Verkehrshindernisse klettern. Quelle: David Borghoff
Celle

718 Menschen drängen sich auf der Stechbahn, hüpfen auf und ab, dehnen sich – zehn Minuten vor dem Start ist die Aufregung deutlich spürbar. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen, Schuhe noch einmal neu geschnürt, der Zopf festgezogen. Es sind die letzten Augenblicke vor dem Start der Urban Challenge, die gestern zum ersten Mal in Celle stattfand. Tausende Zuschauer, die sich in den Straßen und Parks am Streckenrand eingefunden haben, feuern die Sportler vor dem Start an.

Die Teilnehmer werden in vier große Gruppen eingeteilt: Jeweils bis zu 200 Läufer beginnen ihr Rennen gemeinsam. Alle drei Minuten geht eine neue Gruppe an den Start, sodass bereits nach neun Minuten alle 718 Teilnehmer auf der Strecke unterwegs sind. Das Startsignal für den Hindernislauf geben Oberbürgermeister Jörg Nigge und Extremsportler Joey Kelly.

Der insgesamt vier Kilometer lange Parcours führt vom Start auf der Stechbahn zunächst am Alten Rathaus vorbei in den Schlosspark, wo das erste Hindernis auf die Läufer wartet. An Seilen ziehen sich die Teilnehmer bei „Command and Conquer“ nacheinander den Berg zum Schloss hoch. Zwischendurch wegzurutschen ist beim glatten Untergrund fast unvermeidbar. Oben angekommen wartet bereits das zweite Hindernis: „Sand Bag Attack“. Die Teammitglieder feuern sich gegenseitig an, motivieren sich, noch ein bisschen schneller zu sein.

Rund 90 freiwillige Helfer sorgen für einen reibungslosen Ablauf an den Hindernissen, verteilen Getränke und passen auf, dass keine Zuschauer die Strecke betreten und kein Teilnehmer falsch abbiegt. Dennoch kommt es zwischenzeitlich zu Staus und Wartezeiten – wenn mehr als 700 Menschen gleichzeitig auf der Strecke unterwegs sind, kann es schon mal eng werden.

Die Strecke führt die Teilnehmer weiter über den Südwall in den Französischen Garten, wo sie im dritten Hindernis „Tyrenator“ durch aufgehäufte Reifenstapel laufen müssen. Hier zeigen sich deutlich die unterschiedlichen Herangehensweisen der Sportler: Während einige auf Nummer sicher gehen und sich eher auf allen Vieren vorwärts bewegen, um sich mit den Händen abstützen zu können, laufen andere sicher und aufrecht über das Hindernis hinweg – fast so, als wäre es normal, Reifenstapel zu überwinden.

Anschließend verläuft der Kurs um dem Teich herum. „Besonders gut hat mir die Laufstrecke durch den Park gefallen“, schwärmt Eike Dyballa von diesem Streckenabschnitt. Sonnenschein und fallende Blätter stellen dabei für Zuschauer und Sportler eine schöne Kulisse dar, auch wenn die Hindernisse die volle Aufmerksamkeit der Teilnehmer erfordern.

Bevor die Teilnehmer den Französischen Garten verlassen können, müssen sie noch das vierte Hindernis überwinden: „Monkey Business“. Nacheinander bewegen sie sich hangelnd vorwärts, danach geht es laufend weiter über den Südwall in die Bergstraße.

Auf dem Großen Plan wartet mit der „Quarterpipe“ das wohl schwerste Hindernis auf die Teilnehmer. Die Aufgabe: Mit hohem Tempo eine gut vier Meter hohe Wand hochlaufen. Die Zuschauerzahl zeigt, dass es sich nicht nur auf Sportlerseite um das beliebteste Hindernis handelt. Lautstark feuern die Schaulustigen und Teilnehmer gemeinsam jeden an, der es nach oben schafft.

„Ich bin erstaunt, wie viele das auf Anhieb schaffen“, zeigt sich Zuschauerin Gudrun Bittroff beeindruckt. „Es ist toll, wie die Teams sich gegenseitig helfen, wenn einer sich schwertut.“ Diese Erfahrung hat auch Teilnehmer Hans Weger gemacht. Als Einzelstarter ohne festes Team unterwegs, hat er sich bereits beim Anstehen mit anderen Teilnehmern zum Helfen verabredet: „Mir wurde hochgeholfen und dann habe ich anderen geholfen.“

Das letzte Hindernis wartet in der Zöllnerstraße auf die Starter: „Traffic Jam“. Während einige hier von Auto zu Auto springen, bewegen andere sich kletternd vorwärts. Die Vier-Kilometer-Läufer überqueren danach die Ziellinie, wo sie von jubelndem Publikum empfangen werden. Für die Acht-Kilometer-Starter heißt es hingegen: Rechts abbiegen und das Ganze ein zweites Mal meistern.

Gegen 13 Uhr kommen nach und nach auch die letzten Teams im Ziel an. Auf den letzten Metern holen sie nochmal alles aus sich heraus, sprinten ins Ziel, als hätten sie nicht bereits acht Kilometer und sechs Hindernisse hinter sich.

„Wo bleibt eigentlich Joey Kelly?“, fragen sich zwischenzeitlich viele im Zielbereich. Während die meisten Teams das Rennen bereits abgeschlossen haben, sind Kelly und sein Team noch auf der Strecke unterwegs. Die Herausforderung war, dass es alle aus seinem zwölfköpfigen Team gemeinsam ins Ziel schaffen. „Wir sind alle gut durchgekommen“, zeigt sich der Extremsportler am Ende dennoch zufrieden. Die „Quarterpipe“ ist auch sein Lieblingshindernis: „Da frag ich mich jedes Mal: Krieg ich das nochmal hin?“

Auch die Veranstalter sind zufrieden. „Wir können ohne Übertreibung sagen, dass es nahezu perfekt gelaufen ist“, resümiert Urban-Challenge-Pressesprecher Reinald Achilles. Die vielen Zuschauer und Celle als sportbegeisterte Stadt sorgen seiner Meinung nach für ideale Bedingungen. Nächstes Jahr also wieder? „Wir rechnen voll damit, und dann wird es noch größer“, verspricht Nigge – und will dann auch selbst antreten.

Von Vanessa Fillis