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Celle Stadt Historiker appelliert in Celle: Sich nicht vom Islamismus einschüchtern lassen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Historiker appelliert in Celle: Sich nicht vom Islamismus einschüchtern lassen
22:35 22.02.2015
Von Oliver Gatz
Sieht im Islamismus Gefahr für die gesamte freie Welt: Matthias Küntzel. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Küntzel machte vor knapp 40 Zuhörern deutlich, dass es sich um ein beispielloses Massaker gehandelt habe. Im Gegensatz zu früheren Anschlägen von Islamisten habe sich das Attentat nicht gegen x-beliebige Menschen gerichtet, sondern gezielt gegen Journalisten und Zeichner, die stellvertretend für die Meinungsfreiheit standen. „Die Menschen haben gespürt, dass es ein Anschlag auf die Freiheit des Lachens und Denkens war“, sagte er. Das erkläre die Massenproteste und Solidaritätsbekundungen „Ich bin Charlie“ in ganz Europa.

Man dürfe nicht den Fehler machen, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat (IS), Hamas oder Boko Haram als regionale Bedrohungen zu sehen, sagte der Referent. Sie seien mit ihrer totalitären Ideologie eine Gefahr für die gesamte freie Welt. Diese müsse sich dem Islamismus entgegenstellen und sich vom Terror nicht einschüchtern lassen. Als Beispiel nannte er den Umgang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen vor rund zehn Jahren. Viele Medienhäuser haben nach Küntzels Einschätzung aus Angst vor Anschlägen von einer Veröffentlichung solcher Zeichnungen abgesehen. Am Ende hätte dazu nur noch „Charlie Hebdo“ den Mut gehabt. „Die Verfechter der Freiheit mussten für die Feigheit vieler anderer büßen“, meint Küntzel.

„Nicht jeder Moslem, der sich auf den Koran bezieht, ist Islamist“, merkte Küntzel an. Die Mehrheit der Muslime gehe mit dem Islam pragmatisch um. Gleichwohl beziehe sich jeder Islamist auf den Koran. Dieser enthält aus Sicht des Referenten Verse, die zu Gewalt aufriefen und sich gegen Juden richten. Dass der Terror nichts mit dem Islam zu tun habe, sei eine Fehleinschätzung, betonte Küntzel.

Um dem Islamismus Einhalt zu gebieten, erhofft sich der Hamburger Wissenschaftler eine zeitgemäße Interpretation des Islam durch Schriftgelehrte in der muslimischen Welt. „Aufgeklärte Muslime sind die wichtigsten Bündnispartner, die man gegen Islamismus braucht“, sagte er. Diese Kräfte müssten unterstützt werden. Derzeit sorgten die Gräueltaten des IS für Aufruhr in der muslimischen Welt.

Küntzels Vortrag sorgte für kontroverse Diskussionen. Darf Religion verspottet werden? „Das hat nichts mit Freiheit zu tun“, sagte eine Besucherin. Man müsse religiöse Überzeugungen achten und respektieren. Küntzel sah das anders: „Es ist keine Frage der Ästhetik, sondern der Existenz von Meinungsfreiheit. Da darf man nicht wanken.“ Die Meinungsfreiheit sei im Übrigen keine Besonderheit der westlichen Welt. Sie sei ein universelles Grundrecht und gelte daher in allen Teilen der Welt – auch in den muslimischen.