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Celle Stadt Höhepunkt im Celler Kulturleben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Höhepunkt im Celler Kulturleben
09:54 05.04.2016
Celle Stadt

Hanno Müller-Brachmann ist ein Sänger, der sich den üblichen Marktmechanismen nur so weit aussetzt, wie er es mit seinem Verständnis eines sinnvollen Lebens vereinbaren kann. Er hat nicht nur klare Vorstellungen, was ihm in der Musik wichtig ist, sondern er setzt auch Prioritäten für sein Leben, und er hat offensichtlich keine Lust, sich fremdbestimmen zu lassen. Müller-Brachmann weiß ganz genau, welche Stücke er wann singen kann. Er singt nicht wenig, aber er singt nicht mehr, als er es für seine angestrebte Balance zwischen Berufsleben und als Vater dreier Kinder verantworten kann.

Da ist es kein Wunder, dass er inzwischen keinem Ensemble mehr angehört und nur mehr freiberuflich und als Gesangsprofessor dort arbeitet wo es ihm sinnvoll scheint. Und das ist dann eben nicht nur mit erstklassigen Orchestern oder an großen Häusern erster Güte mit musikalisch kompetenten Regisseuren und guten Dirigenten, sondern auch einmal in der Nachbarschaft seines nordbadischen Wohnortes zusammen mit einer örtlichen Kantorei oder in einer Kleinstadt wie Celle. Hierher brachte Müller-Brachmann ein Liedprogramm mit, das nicht nur höchsten Ansprüchen genügte, sondern die Menschen auch wirklich zu bewegen in der Lage war.

Müller-Brachmann hat eine sehr ausgeglichene Stimme mit einem großen Umfang, die er mit einer Sicherheit führt, wie man es nur selten erleben kann. Sein Bariton hat Tiefe und Kraft, ohne dass diese Tiefe wie bei manch anderen Sängern brummig oder aufdringlich wäre. Müller-Brachmanns Stimme klingt in der Mittellage genauso schön und ausgewogen wie in der Tiefe. Und in der Höhe muss er sich zwar an ganz wenigen Stellen mal ein klein wenig anstrengen, störend ist das aber nicht. Vor allem: In keinem Moment hat man das Gefühl, dass Müller-Brachmann wegen der Schwierigkeit der Stücke, Grenzen hätte in seiner musikalischen Gestaltung.

Dass Müller-Brachmann bei keinem Stück auch nur ein einziges Mal in oberflächliche Theatralik verfällt, auch das ist bewundernswert. Und er schiebt sich nie als Person vor das einzelne Werk. Er singt als ein Medium der Komponisten. Dazu kommt noch, dass Müller-Brachmann über eine riesige Vielfalt an Klangfarben verfügt, die er ungemein geschickt einzusetzen in der Lage ist. Trotzdem wirkt sein Singen ungemein natürlich. Ganz nebenbei sei auch noch bemerkt, dass man nur selten einen Sänger hören kann, der so verständlich singt.

Dass dieses Celler Konzert so gut gelingen konnte, das lag aber nicht nur am Sänger, sondern auch am begleitenden Pianisten Hendrik Heilmann, der perfekt mit dem Sänger harmonierte, glasklar spielte und in den meisten Stücken mit nur minimalem Pedaleinsatz ungemein aktiv mitgestaltete. Auch ein Spitzenmann.

So war dieser Abend mit Liedern von Schubert, Loewe, Mussorgsky und Mahler ein Abend der Superlative, von dem man nur hoffen kann, dass ihm weitere in Celle folgen mögen.

Reinald Hanke

Von Reinald Hanke