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Celle Stadt Hölty-Gymnasium Celle: Aus der Geschichte für die Zukunft lernen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hölty-Gymnasium Celle: Aus der Geschichte für die Zukunft lernen
17:03 13.11.2017
Von Dagny Siebke
Im Geschichtsunterricht haben sich Schüler des Hölty-Gymnasiums mit dem Thema "Euthanasie" beschäftigt. Was sie aus den Verbrechen in der Vergangenheit gelernt haben, erläutern sie bei der Gedenkfeier am Volkstrauertag vor dem 77er-Denkmal am Neuen Celler Rathaus. Quelle: Oliver Knoblich
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Harte Kost im Geschichtsunterricht: Aus vielen verschiedenen Perspektiven haben sich Elftklässler des Hölty-Gymnasiums dem Thema „Euthanasie“ genähert. Bei der Recherche über die Gedenkstätte Lüneburg beschäftigten sich die Schüler sowohl mit Biografien der Opfer als auch der Täter aus der sogenannten „Kinderfachabteilung“. In dieser wurden 1941 bis Kriegsende 300 bis 350 Kinder aus ganz Norddeutschland getötet. Die Gymnasiasten haben sich durch sechs Biografie-Mappen mit Lebensgeschichten und Kopien von Dokumenten gearbeitet. „Was wir aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen können, wollen wir noch nicht verraten“, sagt Schüler Leon Heinrich. Schließlich wird die Antwort Inhalt der Rede zur Kranzniederlegung am Volkstrauertag am kommenden Sonntag sein. Auch musikalisch wird die Gedenkfeier um 11.30 Uhr am Ehrenmal vor dem Neuen Rathaus vom Hölty-Gymnasium gestaltet.

Initiator der Gedenkfeier ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Celle. Der Volkstrauertag ist den Opfern von Gewalt, Terror und Willkürherrschaft und den Toten der beiden Weltkriege gewidmet. Darüber hinaus wird jenen gedacht, die im Dienst der Bundesrepublik Deutschland in Auslandseinsätzen das Leben verloren haben. „Menschen brauchen für ihre Trauer einen Ort“, erklärt Andreas Geschwentner, Geschäftsführer des Volksbundes. Immer noch gibt es Angehörige von Soldaten, die in der Weite Russlands ein letztes Lebenszeichen mit der Feldpost bekommen haben und nicht wissen, was danach geschehen ist. Ohne die Gewissheit „haben Angehörige keinen Ort zum Trauern und können nicht mit der Vergangenheit abschließen“, betont Geschwentner.

Die Jugendbegegnungen und Workcamps des Volksbundes machen Kriegs- und Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts greifbar. Bei der Pflege von Kriegsgräbern wird Jugendlichen vermittelt, „dass hinter jedem Kreuz ein Schicksal steht“, so Geschwentner.

Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge freut sich über das Engagement des Hölty-Gymnasiums. Bei der Beschäftigung mit den Verbrechen der Vergangenheit sei es wichtig, über die Parallelen zur heutigen Zeit nachzudenken. „Eine Zeit des Friedens und des Wohlstands ist sehr fragil“, meint Nigge.

Hölty-Schülerin Gerlinde Burk erzählt: „Im Geschichtsunterricht ist uns auch bewusst geworden, dass bestimmte Menschenrechte nicht selbstverständlich sind.“ Zum Beispiel erfuhren selbst die Familien viele Jahre nicht, was mit ihren Kinder geschehen ist.