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Celle Stadt Hörstmann nur „kleines Licht“ im NS-Apparat?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Hörstmann nur „kleines Licht“ im NS-Apparat?
18:57 26.11.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Andeutungen, Mutmaßungen, unwissenschaftliches Vorgehen: Mit den Forschungsergebnissen des Historikers Bernhard Strebel zur Person Helmuth Hörstmann geht der Celler Jurist Peter Weise hart ins Gericht. In einer Stellungnahme zu dem Gutachten über die NS-Vergangenheit von Namensgebern für Celler Straßen äußert sich Weise kritisch zu den Strebel-Erkenntnissen. Der 80-Jährige, der anzweifelt, dass Hiteler-Deutschland Russland überfallen hat, bezeichnet sich selbst als „Freizeithistoriker“ ohne parteipolitische oder weltanschauliche Bindung.

Mit seinen Einlassungen unterstützt Weise die Bemühungen des Hörstmann-Sohnes und Stadtratsmitgliedes Udo Hörstmann, die Reputation seines Vaters zu retten und die drohende Straßenumbenennung am Neuen Rathaus zu verhindern. „Man muss die Sache objektiv betrachten“, sagt Weise. Die Initiative zu der Stellungnahme sei von ihm selbst gekommen. Er kenne aber Udo Hörstmann.

Das Gutachten entspreche nicht dem wissenschaftlichen Standard, meint Weise. „Teilweise sind die Aussagen des Gutachters und vor allem seine Schlussfolgerungen einfach falsch.“ Hörstmann habe – so Weise – nicht im Zentrum des nationalsozialistischen Machtapparates gestanden. Er sei ein „kleines Licht“ ohne politische Funktion gewesen. Als Hörstmann 1933 in die SS eintrat, sei diese Organisation „noch eine unbedeutende Untergliederung der SA“ gewesen.

Entlastend für Hörstmanns Einstellung zum Nationalsozialismus führt Weise den Umgang des Nazi-Regimes mit seiner Frau an, die Schauspielerin war. Wegen öffentlicher kritischer Äußerung drohte ihr ein Berufsverbot durch die Reichstheaterkammer, was durch Dokumente belegt ist. Daraus folgert Weise, dass auch Hörstmann das NS-Regime abgelehnt haben könnte.

Dieses Beispiel zeigt, dass Weise an mehreren Stellen subjektive Wertungen vornimmt, die er selbst dem Gutachter Strebel vorwirft. Das gilt auch für Hörstmanns Beitritt zum Jungstahlhelm 1925 im Alter von 16 Jahren. Dazu schreibt Weise: „Wahrscheinlich war es der Wehrsport, den Hörstmann… in erster Linie angezogen hat. In diesem Alter spielen solche Dinge die entscheidende Rolle, nicht irgendwelche Ideologien.“ Für seine Meinung über die SS und den Stahlhelm nennt Weise keine Quellen. Die Ausführungen bleiben somit unüberprüfbar.

Tenor von Weises Stellungnahme: Es gibt keine Fakten, dass sich Hörstmann als Arzt etwas hat zuschulden kommen lassen. Was die Hilfe für Juden angehe, müsse nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ zugunsten von Hörstmann davon ausgegangen werden, dass seine Darstellung im Kern zutreffe.

Zu den entlastenden Unterlagen gehört auch ein Schreiben von Wolfgang Lüder, Bürgermeister von Berlin. Darin weist dieser die Vermutung zurück, sein Vater hätte möglicherweise ein „Gefälligkeitszeugnis“ im Rahmen des Entnazifizierungsverfahren im Fall Hörstmann abgegeben. Außerdem liegt eine schriftliche Aussage vor, die Hörstmanns Hilfe für den Juden Hans Salomon untermauert.

Angesichts weiteren Beratungsbedarfs in der Politik kommt es am 7. Dezember zu einer ratsinternen Aussprache mit Mitgliedern der Bewertungskommission und Strebel.