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Celle Stadt Homosexuelles Paar aus Bargfeld bezeichnet Ehe für alle als „Sieg für die Freiheit“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Homosexuelles Paar aus Bargfeld bezeichnet Ehe für alle als „Sieg für die Freiheit“
18:01 30.06.2017
Von Christoph Zimmer
Denis Lakey (links) und Hermann Wiedenroth aus Bargfeld sind seit 26 Jahren ein Paar und leben seit fast 16 Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Quelle: Kira Borowsky (Archiv)
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Lakey und Wiedenroth sind seit 26 Jahren ein Paar und leben seit fast 16 Jahren in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Sie waren im Jahr 2001 das erste schwule Paar im Lachendorfer Standesamt. Zuletzt bestand noch ein Verbot der gemeinsamen Adoption. Nun wird mit der Entscheidung des Bundestags auch das hinfällig. „Für junge Paare, die eine Familie haben wollen, ist das eine gute Sache“, sagen Lakey und Wiedenroth. Es gebe viele Kinder, die ein Elternhaus bräuchten. „Wenn ein homosexuelles Paar das Zeug dazu hat, ein Kind großzuziehen, sollte es diesen Schritt machen. Dass die sexuelle Orientierung des Paares einen Einfluss auf die Erziehung haben könnte, ist natürlich Blödsinn.“ Vielmehr würden homosexuelle Paare den Kindern „häufig ein freiheitlicheres und liberaleres Weltbild“ vermitteln.

Für die Hochzeit gibt es noch keinen Termin, aber die Planungen können in Bargfeld langsam beginnen. „Wir werden die Möglichkeit einer Hochzeit wahrscheinlich wahrnehmen. Dann gibt es eine große Feier“, versichern Lakey und Wiedenroth.

Zu jenen, die gestern mit Ja gestimmt haben, gehört Kirsten Lühmann. „Wenn zwei erwachsene Menschen sich gegenseitig Beistand und Fürsorge versprechen und dafür den Bund der Ehe schließen wollen, dann ist das Geschlecht vollkommen egal“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete aus Hermannsburg. „Die Erfahrung wird auch hierzulande, wie bereits in vielen anderen europäischen Ländern, zeigen, dass die Ehe für alle ein Gewinn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist“, ist Lühmann überzeugt.

Der andere Celler Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU) aus Eversen hat mit Nein gestimmt. „Wenn zwei Menschen sich zueinander bekennen und füreinander Verantwortung übernehmen, gehört ihnen mein Respekt, egal, um welche Geschlechter es sich handelt“, sagt er. „Eine solch wichtige Entscheidung darf jedoch aus meiner Sicht nicht einfach gesetzlich gegen bekannte verfassungsrechtliche Bedenken gefällt werden.“ Über das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare hätte in einem geordneten Verfahren parlamentarisch beraten werden müssen, so Otte. „Damit sowohl die Paare als auch die Adoptivkinder auf die Rechtssicherheit vertrauen können.“

Uwe Schmidt-Seffers sieht in der Entscheidung eine Stärkung der Ehe. „Letztlich geht es doch darum, dass Menschen sich in Liebe und Treue, in guten wie in bösen Tagen aneinander binden wollen“, sagt der kommissarische Superintendent des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Celle. Diesen wesentlichen Punkt sollten auch die bedenken, die das Gefühl hätten, jetzt sei „die letzte Bastion in einer sich immer schneller veränderten Welt“ gefallen. „Als evangelischer Christ sehe ich keinen Grund, den gleichgeschlechtlichen Partnerschaften die selben Rechte und Pflichten wie den traditionellen Ehegemeinschaften zu verwehren.“

Andrzej Tenerowicz befürchtet dagegen, dass „der klassische Ehebegriff durch die Entscheidung geschwächt“ wird. Der Dechant der katholischen Kirche in Celle sagt: .„Die Ehe hatte im Grundgesetz bislang einen herausragenden Platz und sollte diejenigen schützen und stärken, die als Mutter und Vater eine Familie gründen und ihren Kindern das Leben schenken wollen.“ Tenerowicz geht davon aus, dass es auch Katholiken geben wird, die die Entscheidung befürworten. „Ich kann nicht für alle sprechen, aber neben denen, die sich über diese Entscheidung aufregen, wird es auch die geben, die darin keinen Widerspruch zum katholischen Glauben sehen“, sagt er.